Ayurveda Glossar, Verzeichnis, Ayurveda-Klinik, Kassel - Bad Wilhelmshöhe
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Ayurveda

Ayurveda (Sanskrit, sprich: Ajurveda), hervorgegangen aus ayu = das Leben und veda = die Wissenschaft und heißt soviel wie die Lehre vom gesunden und langen Leben. Ayurveda ist eine göttliche Medizin. Zugleich die erste und älteste Medizin der Welt. Sie wurde von Sehern und Weisen (den Rishis) aus den kosmischen Lauten empfangen und in Worte und Sprache umgesetzt. Gleichklang mit der Natur ist Gleichklang in uns und damit bestmögliche Gesundheit. Die Säule des Ayurveda ist der Pancakarma (die Öl- und Reinigungsbehandlungen bestehend aus 5 Schritten, siehe auch → Pancharkarma).

Ayurveda – ein pulsierendes, vibrierendes System

Bereits aus dieser Überschrift wird die Lebendigkeit des Ayurveda sichtbar und spürbar. Alles ist eines. Der Mensch ist eingebunden in ein ihn umgebendes größeres System. Mikrokosmos (Mensch) und Makrokosmos (Universum) sind aus denselben 5 Elementen zusammengesetzt wie der Mensch. Die uns umgebende Luft ist weniger verdichtet als die unter uns befindliche Erde. Der Mensch befindet sich in seiner Verdichtung vielleicht in der Mitte, aber er hat innerhalb seines Körpers unterschiedlich verdichtete und den einzelnen Elementen zuzuordnende Bereiche. Alles pulsiert, schwingt und vibriert. Alles ist fließend. Lebendiges Leben besteht aus dem Fluss. Weicht unser eigenes, pulsierendes, vibrierendes System von unserem Umfeld (Natur, Universum, Makrokosmos) ab und stehen wir als Mikrokosmos nicht mehr im Einklang mit ihm, dann ergibt sich eine Disharmonie (Dissonanz) zur Natur, die sich zunächst im feinen bioenergetischen Bereich befindet, aber auch sehr schnell auf das gesamte körperliche Geschehen übergreifen kann. (Die innere Umwelt des Menschen reagiert somit ständig auf die äußere Umwelt). Auf diesem Boden eines bioenergetischen Ungleichgewichtes gedeihen Krankheiten in dem Maße und in der Intensität wie sich dieses Ungleichgewicht darstellt. Der weise Mensch kann das Vorhandensein von Ungleichgewicht (Unordnung) in seinem Körper empfinden. Auch derjenige, der sich damit auseinandersetzt und tiefer in das Wissen und die Weisheit des Ayurveda einsteigt.
Ungleichgewicht kann auch als Unordnung bezeichnet werden. Da in der Unordnung aber auch die Ordnung enthalten ist, ist eine Rückkehr zur Ordnung – d. h. zum bioenergetischen Gleichgewicht und bestmöglichen Gesundheit – auch möglich.
Ayurveda stellt somit lebendiges Leben dar. (Ayurveda heißt ja auch: die Wissenschaft vom Leben). Etwas überkritisch betrachtet müssen wir feststellen, dass wir ein Leben lang leben, ohne das wirkliche Leben in seiner Lebendigkeit zu erfassen, zu begreifen und wirklich und intensiv zu leben.
Noch interessanter ist es, das Leben allen Lebens – das hinter allem Sichtbaren und Unsichtbaren steht – zumindest zu erahnen.
Eine Spur davon zu erfahren oder zu begreifen, birgt bereits eine Bewusstheitserweiterung in sich, die uns ein Stück aus dem möglicherweise zu engen Gebäude unserer Gedanken und Empfindungen herausführen kann.

Ayurveda – das kosmische Bewusstsein und die 5 Elemente

Ein Grundbestandteil der Wissenschaft des Ayurveda ist die Erkenntnis, dass das kosmische Bewusstsein eine Energie ist, die sich in fünf Elemente manifestiert:

  • Äther (Raum)
  • Luft
  • Feuer
  • Wasser
  • Erde

Zu Beginn der Welt bestand ein Bewusstseinszustand, der sich noch nicht manifestiert hatte. Die feinen Schwingungen des kosmischen Klanges Aum gingen aus diesem Einheitsbewusstsein hervor. Als erstes traf das Element Äther = Raum als dünnste Verdichtung in Erscheinung. Die Luft verkörpert zugleich den Äther (Raum) in seiner aktiven und tätigen Weise.
Die Bewegungen der Luft erzeugen Reibung, wodurch mittels weiterer Verdichtung das Feuer entstand. In der Hitze des Feuers lösten sich dann ätherische Elemente auf und verflüssigten sich. Hierdurch entstand das Element Wasser. Das Wasser verfestigte sich, um die Moleküle des Erdelementes entstehen zu lassen. Somit bestehen alle 5 Elemente aus Äther bzw. Raum nur in unterschiedlicher Verdichtung. In jeder Art von Materie sind diese 5 Elemente gleichzeitig enthalten, wenn auch in unterschiedlicher Verteilung. Der Mensch als Mikrokosmos und als Abbild der Natur enthält ebenfalls alle 5 Elemente. Würde nur eines fehlen, könnte er nicht leben und auch nicht entstehen.

Ayurveda – die 5 Elemente und die 5 Sinne

Die 5 Elemente spiegeln sich auch in den 5 Sinnen des Menschen wieder. Ebenso in Abläufen seiner Physiologie. Somit ist die Fähigkeit des Menschen, die äußere Umwelt durch die 5 Sinne wahrzunehmen, auf seine Beziehung zu den 5 Elementen zurückzuführen. Die Beziehung der 5 Elemente zu den 5 Sinnen sind folgende:

Äther = Gehör
Luft = Tastsinn
Feuer = Sehvermögen
Wasser = Geschmackssinn
Erde = Geruchssinn

Ayurveda – die Konstitution des Menschen

Die 5 Elemente Äther, Luft, Feuer, Wasser, Erde treten im menschlichen Körper als drei bioenergetische Grundprinzipien – Bioenergien – in Erscheinung. Da zu einem Energiefeld immer zwei Pole gehören, liefern immer zwei Elemente eine Bioenergie bzw. ein bioenergetisches Prinzip:

Äther und Luft die Bioenergie Vata
(Luftprinzip im Körper)

Feuer und Wasser die Bioenergie Pitta
(Feuerprinzip im Körper)

Wasser und Erde die Bioenergie Kapha
(Körperflüssigkeit im Körper).

Diese drei vorstehenden bioenergetischen Elemente – Vata, Pitta, Kapha – bilden und regulieren die biologischen, psychologischen sowie physiopathologischen Funktionen des Körpers, Geistes und Bewusstsein. Wenn das Gleichgewicht dieser drei biologischen Kräfte/Energien (genannt Doshas bzw. Tridoshas, da es drei sind) gestört ist, bildet dies den Boden für die Entstehung von Krankheiten.

Die Produktion, die Aufrechterhaltung und die Zerstörung der Körpergewebe wird durch die Tridoshas geregelt. Zugleich sind sie auch für die psychosomatischen Ebenen des Menschen zuständig. Die Grundkonstitution eines Menschen (bekannt als Geburtskonstitution, im Ayurveda Prakrti genannt) wird bei der Zeugung bestimmt. Aufgrund von Vereinigung und Konstellation der Elemente, die sich in den Eltern bilden, wird die individuelle Konstitution des Kindes bestimmt. Es gibt 10 dominierende Konstitutionstypen: Vata, Pitta, Kapha, Vata/Pitta, Vata/Kapha, Pitta/Vata, Pitta/Kapha, Kapha/Vata, Kapha/Pitta und Vata/Pitta/Kapha.
Die Geburtskonstitution (Prakrti) ist unsere Natur, bei der wir zugleich die bestmögliche Gesundheit auf allen Ebenen (körperlich, seelisch und geistig) haben. Diese Konstitution stellt die bestmögliche Gesundheit und zugleich die naturgegebene individuelle Verteilung der 5 Grundelemente im Körper dar. Die Geburtskonstitution des Menschen bleibt über sein ganzes Leben unverändert. Wenn die Bioenergien – Doshas – in ihrer Verteilung davon abweichen, ist der Boden für Krankheiten gegeben. Dies, d. h. der jeweilige abweichende Zustand, wird im Ayurveda als Prakrti bezeichnet.

Ayurveda – Klink und Therapie

Was ist klinischer Ayurveda?
Der klinische AYURVEDA ist eingebettet in eine Klinikkonzeption, die auch die Behandlung schwerer Erkrankungen ermöglicht. Soweit erforderlich kann hier – im Interesse des Erkrankten – auch schulmedizinische Diagnostik mit einbezogen werden, ohne dass ayurvedische Diagnostik und Therapie eine Einschränkung erfährt.
Der Ayurveda verfügt über eine große Palette hoch entwickelter Therapieverfahren zur Gesundheitsvorsorge und Krankheitsbehandlung. Klinischer Ayurveda heißt in der Behandlung des kranken Menschen aus dieser Palette ein individuelles Therapieverfahren zusammenzustellen. Je nach therapeutischer Intention unterscheidet man „krankheitsbesänftigende“ (shamana), „reinigende“ (shodhana) und „aufbauende“ (brumhana) Therapien. Basis des therapeutischen Vorgehens ist eine eingehende Konstitutionsdiagnostik. Die individuelle Konstitution zeigt, auf welchem „Hintergrund“ eine Erkrankung entstanden ist. So mag es sein, dass zwei Menschen, die über ein und dieselbe schulmedizinische Diagnose verfügen, vom Ayurveda-Arzt unterschiedlichen Therapieverfahren unterworfen werden, da sie eine unterschiedliche Konstitution besitzen. Innerhalb der langen Reihe von pflanzenheilkundlichen und physikalischen Behandlungsmethoden nimmt das sog. „Panchakarma-Verfahren“ eine besondere Stellung ein. Der Begriff Panchakarma (wörtlich etwa: „fünf Behandlungsmethoden“) bezieht sich auf fünf besonders wirksame therapeutische Verfahren: Emetische Ausleitungen (Vamana), Purgieren (Virecana), spezielle Darmeinläufe (Basti), inhalative Therapie (Nasya) und ayurvedischer Aderlass (Raktamokshana). Diese „Hauptmaßnahmen“ werden jedoch niemals ohne eine entsprechende Vorbereitungsphase zur Mobilisierung überschüssiger Bioenergien oder Stoffwechselschlacke durchgeführt.

Wobei kann ayurvedische Therapie eingesetzt werden?
Aus dem Vorstehenden wird deutlich, dass der Ayurveda eine umfassende Heilkunde darstellt. Mit Ausnahme mancher akuter Erkrankungen und solcher, die eine chirurgische Intervention erforderlich machen (Traumata, manifeste Krebserkrankungen u. ä.), können fast alle Erkrankungen ayurvedisch behandelt werden. Im klinischen Einsatz in Deutschland hat sich der Ayurveda insbesondere bei folgenden Erkrankungen und Krankheitsgruppen bewährt:

  • Herz- und Kreislauferkrankungen und hoher Blutdruck
  • Stoffwechselerkrankungen einschließlich Metabolisches Syndrom
  • Erkrankungen des Verdauungstraktes
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Hauterkrankungen
  • Onkologische Nachsorge (im Anschluss an eine Primärtherapie)
  • Erkrankungen der Atemwege
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Allgemeine Gesundheit und Regeneration

Wie geht die Ayurveda-Therapie vor sich?
Nach einer klinischen Untersuchung in der Synthese von Ayurveda und westlicher Medizin mit achtteiliger Untersuchung (einschließlich Pulsdiagnose) und Konstitutionsdiagnostik wird das therapeutische Vorgehen festgelegt. Das Panchakarma-Therapieverfahren beginnt mit einer Vorbereitungs- und Mobilisierungsphase mit innerlichen und äußerlichen Fettbehandlungen (dazu gehören spezifische Ölmassagen einzelner Körperteile oder des ganzen Körpers) und gewebeaktivierenden Wärmebehandlungen sowie einer speziellen Diät. Es folgen dann die ausleitenden Verfahren (s. o.). In der klinischen Anwendung von Ayurveda in Deutschland wird im Interesse des Patienten bei Bedarf auch schulmedizinische Diagnostik (Laboruntersuchungen, Immunstatus, Ultraschall, EKG, Röntgen, Endoskopie etc.) eingesetzt.

Ayurveda-Ausleitungsverfahren
(sehr tiefgehend im Sinne des AYURVEDA)
Verfahren, die geeignet sind, schädigende Stoffe aus dem Körper herauszubringen („herauszuleiten“). Im AYURVEDA Pancakarma sind 5 Aktionen möglich, die im Zusammenhang mit vorbereiteten Verfahren von Snehana (Einölen und Salben) und Svedana (Schwitzbehandlung) durchgeführt werden. Sämtliche Maßnahmen werden außerdem von einer heilenden Diät während der gesamten Behandlungszeit begleitet:

- Virecana       = Purgiertherapie
- Basti             = Einlauftherapie
- Nasya           = Einführung von Arzneien in die Nase
- Vamana        = künstliches Erbrechen
- Raktamokshana       = Aderlass

Bei diesen ayurvedischen Ausleitungsverfahren werden neben hydrophilen, auch lipophile Stoffe (fettlösliche Gifte, in denen auch Schwermetalle, Holzschutzmittel, etc. enthalten sein können) ausgeleitet.
Diese Ausleitung fettlöslicher Gifte (lipophiler Stoffe) ist möglich durch das Ghee (geklärtes Butterfett) des AYURVEDA und die vorstehend beschriebenen Maßnahmen – 5 Schritte-Aktionen – die aber nicht unbedingt alle insgesamt angewandt werden müssen. Es kann nicht ausreichend genug auf diese sehr tiefgehenden Reinigungsverfahren des AYURVEDA hingewiesen werden, da sie mit üblichen Reinigungsverfahren und Fastenkuren nicht vergleichbar sind und weit über dieselben hinausgehen und so sehr oft auch zu bestmöglicher Gesundheit beitragen können.

Ayurveda-Behandlungskonzepte

Die ayurvedischen Behandlungskonzepte werden als Cikitsa bezeichnet, was von der Wurzel „kit“ abgeleitet ist. Dies besagt zugleich Heilung oder Erlösung von Krankheit und deren Ursachenbeseitigung. Die Behandlungsdefinition ist in der ayurvedischen Medizin am weitesten gefasst von allen Medizinsystemen der Welt.

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