Atemwege, Nase und Bronchien zählen im Ayurveda zu den Bereichen, in denen sich ein Ungleichgewicht der Doshas Vata und Kapha besonders deutlich zeigt. Vata lenkt als Prana Vata die Atembewegung, Kapha bildet die Schleimhäute und den Schleim, der die Atemwege schützt und befeuchtet. Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht, entstehen typische Beschwerdebilder wie Schnupfen, Husten oder Atemnot. Bei häufiger Wiederkehr sprechen wir von chronischen Atemwegserkrankungen. Die Therapie bei Atemwegserkrankungen orientiert sich dabei immer an der individuellen Konstitution und der aktuellen Verteilung der Doshas.
Im Ayurveda wird die Nasennebenhöhlenentzündung als Pinasa bezeichnet und steht in engem Zusammenhang mit Pratiśyāya, dem Schnupfen. Aus ayurvedischer Sicht entsteht eine Rhinitis, wenn Vata im Bereich der Nase verstärkt wird, wodurch sich in der Folge auch Kapha ansammelt und Agni geschwächt wird. Typische Auslöser sind unter anderem unterdrückter Stuhl- und Urindrang, Verdauungsschwäche, Kälteexposition, Staubinhalation und jahreszeitliche Einflüsse.
Bei wiederkehrenden Beschwerden hat sich in der ayurvedischen Praxis das sogenannte Guḍārdraka-Prayoga bewährt, eine über zehn Tage gesteigerte Einnahme von frischem Ingwer mit Rohrzucker, die anschließend über einen längeren Zeitraum fortgeführt wird. Begleitend werden regelmäßige, milde Nasenspülungen mit warmem Salzwasser sowie eine Nasya-Behandlung – die Instillation von warmem Öl in die Nase – empfohlen. Bei häufig rezidivierender Sinusitis kann eine begleitende Panchakarma-Kur die Beschwerden nachhaltig lindern.
Noch offene Fragen?

Sie interessieren sich für Ayurveda und wünschen individuelle Antworten oder benötigen weitere Informationen? Wir stehen Ihnen gerne persönlich zur Verfügung.
Die āyurvedische Behandlung von Atemwegserkrankungen zielt darauf ab, das jeweilige Dosha-Ungleichgewicht – vor allem von Vata und Kapha – auszugleichen und gleichzeitig die Verdauungskraft (Agni) zu stärken, da eine funktionierende Verdauung die Grundlage für gesunde Schleimhäute und einen freien Atemfluss bildet. Die Therapieplanung erfolgt stets individuell, abgestimmt auf Konstitution, Krankheitsbild und betroffenes Dosha.
Die allgemeine Therapie gleicht das überschüssige Dosha aus. Bei Vata-Verstärkung helfen ein regelmäßiger Tagesablauf, warme, leicht verdauliche Kost und Ruhe; kalte, trockene Speisen und Zugluft sind zu meiden. Bei Kapha-Verstärkung werden leichte, scharfe und wärmende Speisen empfohlen, während schwere, süße und fettige Kost sowie Milchprodukte reduziert werden sollten.
Zur Unterstützung der Atemwege kommen klassische pflanzliche Zubereitungen zum Einsatz, deren Auswahl sich nach dem betroffenen Dosha und Beschwerdebild richtet – etwa Ingwer-Zubereitungen, Sitopaladi-Curna oder Vasa-haltige Präparate. Die Dosierung und Auswahl erfolgt grundsätzlich individuell und unter ärztlicher Begleitung.
Bevor spezifische Arzneien eingesetzt werden, gilt es, die Verdauungskraft (Agni) zu stärken und Ama abzubauen, da eine geschwächte Verdauung die Schleimbildung in den Atemwegen begünstigt. Gewürze wie Ingwer, schwarzer Pfeffer und Kurkuma können je nach individueller Konstitution unterstützend eingesetzt werden.
Bei langanhaltenden oder wiederkehrenden Atemwegsbeschwerden ist meist eine Panchakarma-Therapie mit systematisch durchgeführten, ausleitenden Verfahren empfehlenswert. Sie ergänzt Diätetik und Phytotherapie und wird individuell auf den Patienten abgestimmt.




