Rückenbeschwerden ayurvedisch behandeln
Rückenerkrankungen können sehr vielschichtig sein. Sie sind subjektiv sehr unterschiedlich und lassen sich durch Diagnostik nicht immer verifizieren. So kann jemand starke Rückenschmerzen haben, die Röntgenbilder sehen aber ganz unauffällig auf. Im Gegensatz kann aber auch der Arzt nach dem Betrachten der Röntgenbilder heftigste Rückenschmerzen erwarten, der Patient hat jedoch keinerlei Beschwerden. Daher sollte der Grundsatz gelten: es werden nicht die Röntgenbilder, sondern der Mensch behandelt.
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Rückenbeschwerden ayurvedisch behandeln

Rückenerkrankungen können sehr vielschichtig sein. Sie sind subjektiv sehr unterschiedlich und lassen sich durch Diagnostik nicht immer verifizieren. So kann jemand starke Rückenschmerzen haben, die Röntgenbilder sehen aber ganz unauffällig auf. Im Gegensatz kann aber auch der Arzt nach dem Betrachten der Röntgenbilder heftigste Rückenschmerzen erwarten, der Patient hat jedoch keinerlei Beschwerden. Daher sollte der Grundsatz gelten: es werden nicht die Röntgenbilder, sondern der Mensch behandelt.

Āyurvedisch werden die Knochen (und damit auch die Wirbelsäule) Vāta zugeordnet. Auch Erkrankungen der Gelenke (z. B. Arthrose) und des Knorpels (z. B. Banscheibenvorfälle) haben häufig eine Vāta Beteiligung. Das selbe gilt für Verspannungen der Muskulatur. Schmerzen kann es nicht ohne Vāta geben, aber die anderen doşas können zusätzliche Qualitäten miteinbringen.

Vāta

Vāta kann als Wind übersetzt werden und bildet das Bewegungsprinzip. Das heisst, Vāta ist zuständig für die Beweglichkeit auch der Wirbelsäule. Ist die Beweglichkeit beeinträchtigt, spricht dies für eine Vāta Störung, bzw. Vāta Erkrankung. Vāta hat als Eigenschaften trocken, kalt, leicht, rau, fein und ist auch zuständig für Schmerzen jeglicher Art, Trockenheit und Rauhigkeit in den Gelenken bis hin zur Arthrose.

Diagnostik

Da die schulmedizinischen Diagnosen nicht 1:1 in āyurvedische Diagnosen übersetzt werden können, muss immer am Anfang eine komplette āyurvedische Anamnese und Untersuchung stehen. Die Grundkonstitution und die Störung entsprechend der Doşas (Bioenergien) werden ermittelt. Die Behandlung sollte so abgestimmt werden, dass einerseits die Störung behandelt wird, aber andererseits die Grundkonstitution nicht gestört wird. Daher werden keine zwei Patienten die selbe Therpiestrategie erhalten. So ist es unmöglich, eine Pauschaltherapie festzulegen.

Symptome

Um aber zumindest eine Richtung jetzt vorzugeben, betrachten wir nur die Symptome. Im Vordergrund für den Patienten stehen meist die Schmerzen. Diese haben, wie bereits erwähnt, immer eine Vāta Beteiligung, können aber auch von den anderen Doşas mitverursacht werden.

Vāta Schmerzen

Besonders im Morgengrauen, Abenddämmerung, in Dickdarm oder Wirbelsäule, verstärkt durch Kälte und Bewegung, Besserung durch Hitze und Ruhe (Ruhigstellung), in Kombination mit Atemlosigkeit, Angst, Aufregung, zwickend, tropfend, ausstrahlend, wandernd, beweglich, auf- und abschwellend, Leichtigkeitsgefühl, Haut und Zunge werden trocken, Schlafstörung, nicht lokalisiert, nach der Verdauung zunehmend, Linderung nach dem Essen, Druck erleichtert,

Pitta Schmerzen

Scharf, brennend, saugend, Anspannung, Druckschmerz, mittags, mitternachts, reizbar, heiß, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Verbesserung durch Kälte und Erbrechen (Magen, Galle), Entzündung, Geschwür, Infektion

Verschlechterung durch Druck und Wärme

Kapha

Dumpf, tief, nicht entzündlich, Congestion, Verschluß, Stagnation, Schwellung, Müdigkeit, Depression, Trägheit, morgens, abends, in Verbindung mit Kälte und Husten, Verbesserung durch trockene Hitze, Druckgefühl, Überfüllung, frontal beim Kopf, Schleim dabei.

Nun gibt es zusätzlich zu den Doşas noch andere Faktoren, welche Schmerzen auslösen können.

Āma Schmerzen

Āma ensteht, wenn Nahrung im Körper nicht vollständig verdaut wurde und ihren Endzustand nicht erreicht. Symptome: Zungenbelag, Muskelschmerzen, Gelenschmerzen, Trägheit, Haarschmerzen, Kopfhautschmerzen (wo sich āma ansammelt, sind Schmerzen), Verbesserung durch Fasten und Anregung der Verdauungskraft, verstärkt an wolkigen Tagen. Ingwer ist hilfreich.

 

Dhātukaşaya Schmerzen

Diese Schmerzen enstehen durch eine Gewebereduktion. Sie nehmen durch Überarbeitung und körperliche Belastung zu.

 

Srotorodha Schmerzen

Durch Blockaden hervorgerufen, z. B. Asthma, Verstopfung, Tumor

 

Emotionale Schmerzen

Es immer das Organ beteiligt, in das der Schmerz unbewusst projeziert wird.

Therapie

Im Āyurveda wird grundsätzlich zunächst das Verdauungsfeuer betrachtet. Egal, welche Symptome vorliegen, wird als erstes Agni (das Verdauungsfeuer) behandelt. Ist Agni schwach,entsteht Verstopfung. Häufig verschwinden durch Stärkung des Verdauungsfeuers diverse Beschwerden. Sogar schulmedizinisch wird ein Zusammenhang zwischen Verstopfung und Rückenschmerzen gesehen.

 

Das Verdauungsfeuer wird angeregt durch:

  • nur essen, wenn man Hunger hat
  • leicht verdauliche Nahrung essen (warm, gekocht, wenig Milch oder Milchprodukte)
  • verdauungsanregende Gewürze verwenden (scharf, bitter)
  • Ingwerwasser oder heißes Wasser trinken
  • Evtl. kurzzeitig fasten
  • Reinigende Verfahren (z. B. Abführen)
  • Spezifische āyurvedische Kräuter

 

Sobald das Verdauungsfeuer reguliert ist, kann das betroffene Doşa behandelt werden (immer unter Beachtung der Grundkonstitution). In den meisten Fällen ist Vāta der auslösende Faktor.

Vāta reduzierende Therapie:

  • drei mal täglich regelmäßig warm, feucht, süß, sauer, salzig essen.
  • Generell auf Regelmäßigkeit achten
  • Nährendes, aufbauendes Verhalten
  • Ölbehandlungen
  • Einläufe (der Sitz von Vāta ist der Dickdarm)

 

Rückenspezifische Behandlungen:

  • Rückenmassagen mit speziellen Kräuterölen und evtl. zusätzlich Auftragen von Pasten. Hierbei ist eine Massage zwar angenehm, für eine nachhaltige Wirkung sind aber mindestens drei Massagen notwendig.
  • Yoga für den Rücken
  • Kräuterbeutelbehandlungen (Pinda sveda): Beutel gefüllt mit einer Mischung aus Reis und z. B. Beinwell werden erhitzt, immer wieder in eine Abkochung getaucht und auf dem Rücken verrieben.
  • Kati basti: aus Kichererbsenmehl und Wasser wird eine Teig angefertigt und in Form einer Wanne über dem schmerzhaften Bereich am Rücken angebracht. Diese Wanne wird dann mit einem spezifischen warmen Kräuteröl gefüllt.
  • Einläufe mit Öl oder Kräuterabkochungen zur Reduktion von Vāta.
  • Svedana, Dampfbadbehandlungen.
  • Spezifische Medikamente

Fallbeispiel

35 jährige Patientin, 168 cm, 66 Kg

Konstitution: Pitta

Störung: Vāta

 

Kam mit starken Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, in das rechte Bein ausstrahlend, Taubheit im rechter Fuß, leichte Fußheberschwäche, Mißempfindungen im rechten Bein, konnte kaum aufrecht gehen.

Vorher bereits Cortison Infusion und Schmerzspritzen vom Orthopäden bekommen, seitdem auch Magenprobleme,

Vorgeschichte: früher Operation eines Bandscheibenvorfalls L5/S1 mit Rezidiv drei Jahre später, bekannte Spondylarthrose, Hüftdysplasie rechts stärker als links, Beinverkürzung,

 

Therapie:

  • strenge Diät zur Reinigung und zur Kräftigung der Verdauungskraft
  • Spezifische ayurvedische Medikation
  • Selbsteinölung mit Vāta reduzierendem Öl täglich.
  • individuelle Yoga Übungen
  • Schwimmen (Thermalbad)
  • Tagesroutine mit regelmäßger Lebensführung
  • täglich Öleinläufe
  • Vāta reduzierende Ernährung mit entblähenden Gewürze
  • Mehrfach Kati Basti, zunächst kein Svedana möglich, da sie nicht sitzen oder auf dem Rücken liegen konnte, später möglich.
  • Abhyanga (Ganzkörper Öl Massage mit Vāta reduzierendem Öl) mit Svedana.

 

Deutliche Besserung nach einer Woche, nach zwei Wochen wieder arbeitsfähig.

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