Seit einiger Zeit besteht in der Habichtswald Klinik die Möglichkeit, psychotherapeutische Therapien und ayurvedische Anwendungen miteinander zu kombinieren.
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Psychotherapie, Teil 1

Psychotherapie

Kombination Psychotherapie mit AYURVEDA
Erfahrungen mit der Ayurveda-Medizin, Teil 1 

Seit einiger Zeit besteht in der Habichtswald Klinik die Möglichkeit, psychotherapeutische Therapien und ayurvedische Anwendungen miteinander zu kombinieren.

Die Kombination bietet sich bei Patienten an, die einerseits die Zusammenhänge zwischen Symptom und Lebensgeschichte verstehen wollen, also Psychotherapie indiziert ist, und die andererseits offen sind für energetische und feinstoffliche Vorgänge, bei denen also die Aufgabe in der Integration besteht.

Die Kombination kann auf zwei Wegen stattfinden:

  1. gleichzeitig
    zusätzlich zu seinen psychotherapeutischen und balneophysikalischen Therapien bucht der Patient nach ärztlicher ayurvedischer Untersuchung einzelne Ayurveda -Anwendungen als Wahlleistung.

  2. hintereinander
    wenn die Psychotherapie einen gewissen Stand erreicht hat, und wenn die Ayurveda -Zeit mehr dem Schweigen und der Innenwendung dienen soll. Die Psychotherapie begleitet und bearbeitet während dieser Phase, was „hochkommt“, geht aber nicht aktiv und absichtlich auf unbewusste Konflikte zu, sondern sieht ihren Schwerpunkt in der Integration.

Bei folgenden Erkrankungen wurden gute Heilerfolge über die Kombination Psychosomatik - Ayurveda beobachtet:

  • Stressfolgen und innere Unruhe

  • Depressive Verstimmung

  • Schlafstörungen

  • Chronische Müdigkeit

  • Genussmittelmissbrauch bei Wunsch nach Abstinenz

  • Übergewicht

  • Hypertonie

  • Kopfschmerzen

  • Rheumatische Erkrankungen

  • Chronische Nebenhöhlenerkrankungen

  • Allergie und Immunschwäche

  • (auch Krebs)

Die Kombination bietet sich als ideal an, da in den ayurvedischen Anwendungen sehr viele lebensgeschichtliche Themen hochkommen, die der Patient oft dringend bearbeiten möchte.

Bei Ayurveda haben wir nicht nur eine innere Reinigung des Körpers, sondern auch eine weitreichende Öffnung des Patienten, ein „Wieder-in-Gang-Kommen“ des Energieflusses und eine Verfeinerung der Innenwelt beobachtet.

Es wird ausdrücklich betont, dass Ayurveda - Anwendungen bei uns weltanschaulich neutral durchgeführt werden. Der Patient muss sich also nicht an eine bestimmte Weltanschauung anschließen, sondern er wird auf seinem eigenen Weg begleitet.

In der Schaffung der Kombination sind wir einem häufig an uns herangetragenen Wunsch von Patienten gefolgt. Sie ist selbstverständlich freiwillig.

Selbstverständlich stehen dem Patienten weiterhin alle Möglichkeiten der großen Klinik wie apparative Diagnostik, Facharztüberweisungen, Nachtdienst usw. zur Verfügung!

Fallbeispiel I: Psychotherapie und Ayurveda

Patient: Frau Franziska G. aus L. 

Franziska G. aus L. befand sich Anfang 1997 für 6 Wochen in stationärer psychotherapeutischer Behandlung in der Habichtswald Klinik. Während der zweiten Hälfte des stationären Aufenthaltes wurde sie über 3 Wochen auch ayurvedisch behandelt.

Diagnosen: Psycho-vegetatives Syndrom.
                     HWS-Syndrom.
                     Migräne.

Frau G. war bei Aufnahme 45 Jahre alt. Sie arbeitet seit 1985 selbständig in eigener Praxis als Heilpraktikerin, Homöopathin und Psychotherapeutin. Frau G. ist seit 1991 geschieden, hat einen 16-jährigen Sohn, der bei ihr lebt, keine Partnerschaft.

Aktuelle Situation und Symptomatik:

Zum Aufnahmegespräch erschien eine schlanke, gepflegte, attraktive, müde und erschöpft wirkende Frau, in gedrückter Stimmung. Frau G. berichtete, sie habe eigentlich immer in ihrem Leben fleißig gearbeitet, seit ihrer Scheidung 1991 aber ihr Arbeitspensum noch einmal deutlich erhöht. Sie sei beruflich erfolgreich, leide aber in den letzten Jahren zwei bis dreimal wöchentlich und besonders auch an den Wochenenden an schweren Migräneanfällen. Der Schmerz sei sehr intensiv, sie nehme dann – allerdings ohne Erfolg – viele Medikamente, fühle sich verzweifelt und „wie ein Wrack“. Meistens wacht sie morgens mit pulsierenden Kopfschmerzen auf, kann dann nicht mehr liegen. Die Kopfschmerzen treten halbseitig auf, die Seite wechsle, verbunden damit sei eine starke Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Über den Vormittag und Mittag nehmen die Kopfschmerzen zu und lassen erst nachmittags nach. Im Anschluss an einen Migräneanfall fühle sie sich erschöpft, ausgelaugt und müde und brauche einen halben bis zu einem ganzen Tag, bis sie wieder einsatzfähig sei.

In den letzten Jahren sei ausgiebige neurologische Diagnostik gemacht worden, die Migränediagnostik sei per EEG bestätigt worden. Alle klassischen schulmedizinischen Behandlungen habe sie – weitgehend erfolglos – probiert, ebenso ohne Erfolg homöopathische und verschiedene naturheilkundliche Therapien.
Inzwischen habe sie Angst vor dem Schmerz, gerate dadurch in zunehmende Spannungen und habe ein HWS-Syndrom mit Spannungskopfschmerzen, die sie von der Migräne aber deutlich unterscheiden könne, entwickelt. Sie komme hierher, weil sie sich von einer kombinierten Behandlung mit psychotherapeutischen Gesprächen, Entspannungsverfahren und Ayurveda, eine Hilfe verspreche in Bezug auf Linderung ihrer Kopfschmerzen und Verständnis der Schmerzsymptomatik im Kontext ihrer Lebensgeschichte.

Vormedikation:
Niacinamid 2 Kaps. Tgl.
Bei Bedarf Paracetamol Tabl.

Familienanamnese:
Durchschlafstörungen, sonst unauffällig.

Der körperliche Befund war bis auf deutliche Muskelverspannungen paravertebral sowie im Schulter-Nacken-Bereich o.B., ebenso die Laborparameter.

Genese und Psychodynamik:
Frau G. wuchs als Älteste von 4 Kindern in einem großen Geschäftshaushalt auf. Die Eltern hatten eine Weinkelterei und mussten sehr viel arbeiten. Die Kinder seien von wechselnden Kindermädchen versorgt worden. Frau G. habe sich in ihrer Kindheit sehr einsam gefühlt, die Erziehung sei streng katholisch gewesen. In langen Zwiegesprächen mit dem Lieben Gott habe sie versucht, ihre Einsamkeit zu überwinden. Sie habe mit der Mutter, die oft krank gewesen sei und sehr viel arbeiten musste, Mitleid gehabt. Sie sei hauptsächlich für die Kindererziehung zuständig gewesen, den Vater erlebte Frau G. als einen sehr sensiblen und stillen Menschen, der in seinem Weinkeller Gedichte schrieb. Mit ihm habe sie seltene, gute Gespräche geführt.

Nach der Mittleren Reife absolvierte Frau G. ein soziales Jahr in einem Kloster. Im Alter von 24 Jahren habe sie ihren späteren Ehemann kennen gelernt, mit dem sie 5 Jahre auf einer spanischen Insel gelebt habe. Zurückgekehrt seien sie gemeinsam als sie schwanger geworden war.

Frau G. arbeitete mit im Büro ihres Mannes, der sich als KFZ -Händler selbständig machte, fühlte sich in der Ehe, die sie in der Hoffnung auf Lebensfreude eingegangen war, aber zunehmend privat wie auch beruflich nicht ausgefüllt, weswegen sie nebenbei die Ausbildung zur Heilpraktikerin und Homöopathin machte. Nach der Trennung von ihrem Mann 1991 machte sie sich mit der eigenen Praxis selbständig und ist hier auch erfolgreich, konnte aber in letzter Zeit wegen erheblicher Beschwerden durch die Migräne ihre Praxis nicht mehr führen.

Als älteste Tochter einer kränklichen, arbeitsüberlasteten Mutter und eines etwas weltfremden und schöngeistigen Vaters, lernte Frau G. sehr frühzeitig, eigene kindliche Wünsche und Bedürfnisse zurückzustellen und Verantwortung in der Geschwisterbetreuung und der Entlastung der Mutter zu übernehmen.
Katholisch erzogen, richtete sie bereits als kleines Mädchen ihre Sehnsucht auf Gott aus und suchte bei ihm Trost in ihrer Einsamkeit, während sie nach außen hin funktionierte und frühe Selbständigkeit entwickelte.
Spiritualität und die Suche nach Gott blieben auch in ihrem weiteren Leben ein wichtiges Thema, eng damit verbunden waren immer durch ihren ursprünglichen katholischen Glauben geprägte Moralvorstellungen, aus denen Konflikte zwischen vitalen Wünschen in Liebesbeziehungen und später in ihrer Ehe und dagegen stehende Über-Ich-Ansprüche gespeist wurden.  So wurde die aus der Sehnsucht nach Vitalität, Lebensfreude und Abenteuer geschlossene Ehe nach einigen guten Anfangsjahren im Erleben der Patientin zunehmend hohl und enttäuschend. Auf der Suche nach Lebenssinn und innerer Erfüllung fand Frau G. in der Ausbildung und später auch in der Ausübung des Heilpraktikerinnenberufs für sich ein sehr befriedigendes Arbeitsfeld und konnte über Jahre quasi ihre gesamte Lebensenergie in diesen Bereich fließen lassen, allerdings um den Preis der oben geschilderten, im Laufe der Zeit zunehmenden Schmerzsymptomatik.
In dem Komplex viel Arbeit und viel Schmerz wiederholt Frau G. ein Stück weit die Lebensthematik ihrer Mutter, mit der sie sich frühzeitig identifiziert hatte.

Behandlungsverlauf:
Wir behandeln Frau G. zunächst mit tiefenpsychologisch fundierten Einzelgesprächen, Tiefenatmung (Einzeln), Fußreflexzonenmassagen und Dauerliegeduschen.

Die Ayurveda -Behandlung war von Anfang an eingeplant. Wir gingen davon aus, dass zunächst eine Zeit des Ankommens und in den therapeutischen Kontakt Findens, sinnvoll wäre. Frau G. war anfänglich in einem tief erschöpften Zustand, dabei gleichzeitig im Zusammenhang mit häufigen Migräneanfällen innerlich hoch gespannt und aggressiv gereizt. Auch die Umstellung von ihrer vertrauten Therapeutinnenrolle auf die Patientinnenrolle war zunächst schwierig. Die Situation der „Ältesten“, die so sehr daran gewöhnt ist, sich zusammenzunehmen und zu funktionieren, dass es auch schwer ist, ein entspannendes, emphatisches Angebot anzunehmen und sich dem anzuvertrauen, wurde schnell deutlich und konnte besprochen werden. Danach konnte sich Frau G. zunehmend entspannen und sich in den Atemsitzungen und unter der Dauerbrause schmerzhaften Gefühlen von Einsamkeit, Anspannung und Überforderung und vielen Tränen überlassen.

Anschließend an diese erste therapeutische Phase tauchten in der Tiefenatmung und auch in nächtlichen Träumen sadomasochistisch getönte sexuelle Phantasien auf, die Frau G. in Einzelgesprächen unter der Überwindung massiver Scham und durch die Religion geprägter Schuldgefühle thematisierte.

Bevor es möglich war, sich mit den eigentlichen Inhalten dieser Phantasien auseinanderzusetzen, konnte die Scham- und Schuldthematik und der hohe ethische moralische Anspruch, den Frau G. an sich selber hat, beleuchtet werden. In diesem Zusammenhang tauchte in Bezug auf die Migräne die Formulierung auf „der Heiligenschein drückt“. Diese Einsicht schaffte der Patientin eine deutliche Symptomentlastung, die vertieft werden konnte durch die Auseinandersetzung mit den Inhalten der sexuellen Phantasien, die die Patientin mit viel Enttäuschung und Wut in Bezug auf den Vater in Verbindung bringen konnte und mit abgewehrten eigenen Wünschen und Sehnsüchten im Bereich der Sexualität. Zu diesem Zeitpunkt des psychotherapeutischen Behandlungsverlaufs war auch die ayurvedische Pàncakarma-Kur angelaufen.
Aus ayurvedischer Sicht liegt bei der Patientin eine Pitta-Vata-Konstitution vor. Die Migräneanfälle mit der entsprechenden Tagesrhythmik sowie der spezifischen Symptomatik werden als Zeichen für ein erhöhtes Pitta gewertet. Bei jeder Art von bioenergetischem Ungleichgewicht ist das Vata als primäres Agens movens immer mitbeteiligt. Aus dieser Erkenntnis heraus wird ein spezielles Therapieprogramm geplant, das zeitlich gerafft folgendermaßen aussieht:

Tag: 1 2 3 4 5 6 7 8 9-10 11-12 13 14 15-16 17-19 20 21 22
Snehana:
            A. Snehapana
(Innerliche Fettbehandlung)
                         
            B. Bahya Snehana
(Äußerliche Fettbehandlung)
speziell: Sirodhara
             (Stirnölguss)
                 
Svedana (Schwitzen)                            
Virecana (Abführen)                                
Basti (Enemata)                          
Nasya (Ausleitende
Inhalationsbehandlung)
                             

Frau G. konnte sich jetzt auf alle ihre verordneten Therapien mit Leichtigkeit einlassen, und es war ihr von Woche zu Woche deutliche anzusehen, dass ihre Energien wieder im Fluss waren: Ihre Züge waren gelockert und entspannt und der bei Aufnahme auffällige Zug von Verhärmtheit war verschwunden. Mit ihrer wieder gewonnenen Ausstrahlung war Frau G. auch willens und in der Lage mehr mit Mitpatienten in Kontakt zu gehen, was sie während der ersten Wochen des Aufenthaltes fast völlig vermieden hatte. Im Folgenden war es in Ansätzen möglich, die Leistungsthematik zu reflektieren, speziell auch im Hinblick auf konkrete berufliche Planung für die nahe Zukunft.
Nach 6 Behandlungswochen konnte Frau G. in erfreulich verbessertem psycho-physischem Zustand entlassen werden. Häufigkeit und Schwere der Migräneanfälle waren deutlich zurückgegangen, und in Verbindung damit konnte der vor Aufnahme massive Schmerzmittelgebrauch drastisch reduziert werden. Die parallel zur Migräne bestehenden Spannungskopfschmerzen traten hier nach den ersten 3 Wochen Behandlung nicht mehr auf, die muskulären Verspannungen im Nacken und oberen Rückenbereich hatten sich deutlich gelockert. Die zuvor bestehende ängstliche Anspannung vor dem nächsten Migräneanfall war einer gelasseneren und optimistischen Haltung gewichen. Die Patientin war interessiert und motiviert, die hier deutlich gewordenen thematischen Schwerpunkte in einer ambulanten Psychotherapie zu Hause weiter zu vertiefen.

Dr. Kurtz von Aschoff

E-mail: info@ayurveda-klinik.de Adresse: Ayurveda-Klinik Kassel, Habichtswald-Klinik, Wigandstrasse 1, D-34131 Kassel.

(Dr. Kalyani Chopra, Leitende Ärztin der Ayurveda-Klinik Kassel)

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