Ayurvedische Ölmassage und Schadstoffausleitung. Im Ayurveda spielt die Ölmassage in Form von Ganzkörpermassagen eine übergeordnete Rolle zur Harmonisierung der Körperenergien (Dosas).
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Ölmassage

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Ayurvedische Ölmassage und Schadstoffausleitung
 

Im Ayurveda spielt die Ölmassage in Form von Ganzkörpermassagen eine übergeordnete Rolle zur Harmonisierung der Körperenergien (Dosas).

„Tägliches Einölen bringt Festigkeit des Körpers, macht ihn frei von Störungen des Vata und widerstandsfähiger gegenüber Belastungen und Bewegung. Der Haut fühlt sich angenehm an, die Körperteile sehen gut aus, Stärke und Anmut nehmen zu, und das Alter hat keine so große Macht…“ – so Caraka, der ayurvedisches Wissen und Schriften in Form der Caraka Samhita, einem internistischen Kompendium, vor ca. 2000 Jahren zusammentrug. 

Das Öl entfaltet in den Geweben eine reinigende, nährende und stärkende Wirkung

Das Einölen bedeutet also viel mehr, als der Haut allein einen geschmeidigen Schutzfilm zu verleihen, denn seine Wirkungen sind vielfältiger und tiefgreifenderer Natur: Das Öl dringt in die Gewebe ein und entfaltet dort seine reinigende, nährende und stärkende Wirkung. Je länger die Ölmassage, umso tiefere Gewebsschichten werden erreicht.

Taila, das Sanskritwort für Öl im weiteren Sinne, bezeichnete ursprünglich nur Sesamöl, womit die herausragende Stellung des Sesamöls deutlicher wird. Denn Öl ist nicht gleich Öl. Man unterscheidet Öle – so wie alle Substanzen – nach ihren Eigenschaften. Diese können z.B. eher wärmender oder kühlender Natur sein. Sesamöl ist ein wärmendes Öl und es gilt als besonders fein. „Fein“ beschreibt hier wiederum die Substanzeigenschaft und meint das Gegenteil von „grob“. Man bedient sich im Ayurveda zehn solcher Gegensatzpaare zur Stoffklassifizierung.

Diese Feinheit ermöglicht das Eindringen des Öls auch in kleine und kleinste Körperkanälchen, die sogenannten Srotas. Sie dienen dem Stofftransport zu bzw. aus den Geweben. Man unterscheidet sie je nach Funktion: Es gibt „wassertragende“ Kanäle oder auch „nahrungs-„ und „atemtragende“ Kanäle. Dies ist nur eine Auswahl, beim Mann finden sich vierzehn, bei der Frau sechzehn solcher Kanalsysteme. Teilweise entsprechen sie anatomisch sichtbaren Strukturen (wie dem Verdauungstrakt), teilweise findet sich kein morphologisches Korrelat zur westlichen Medizin (wie bei den wassertragenden Kanälen).

Sind die Srotas nicht durchgängig, sondern z.B. von Stoffwechselschlacken (Ama) blockiert, kommt es zu Störungen im energetischen Fließgleichgewicht. Denn auch die Körperenergien (Dosas) bewegen sich laut ayurvedischer Physiologie entlang dieser Kanäle.

Stoffe von sehr feinem Charakter und auch ätherische Substanzen sind in der Lage, die Durchgängigkeit zu verbessern und Blockaden zu lösen.
Wärme vermag zusätzlich Stoffwechselprozesse zu beschleunigen und führt unter anderem zur Durchblutungsförderung und Weitstellung der Gefäße.
Daher ist Sesamöl ein überaus geeignetes Mittel zur Reinigung innerer Kanalsysteme des Körpers.

Abhängig von der Konstitution und der Art der Störung werden für die Ölmassage aber auch tendenziell eher kühlende Öle (Sonnenblumenöl) verwendet, wenn zuviel Hitze im Körper vorherrscht. So wird bei Dominanz von Vàta- und Kapha-Dosa Sesamöl, bei Dominanz von Pitta-Dosa Sonnenblumenöl eingesetzt.

Es handelt sich um stark vereinfachende Darstellungen der insgesamt sehr komplexen ayurvedischen Anatomie und Physiologie. Es mag jedoch eine bildhafte Vorstellung davon vermitteln, wieso Öle und Ölmassage im Ayurveda als Ausleitungsmittel genutzt werden. 

Ölmassage - Öle als Mittler zwischen innen und außen

Die Öle sind „Mittler“, mit ihnen gelangen Stoffe – wie z.B. Kräuterabkochungen, die Ölen zugemischt werden – in den Organismus. Aber es gelangen auch Schlacken oder überschüssige Dosa aus dem Körper. Kontaktfläche sind jeweils Haut und Schleimhäute.

Zur Unterstützung und Beschleunigung dieser Prozesse bedient man sich zusätzlich spezieller Schwitzverfahren, der sog. Svedana-Behandlungen. Es handelt sich um Schwitzbehandlungen mit dem Ziel, den Körper gerade bis zum Schwitzen zu bringen. Ist die erreicht, wird die Behandlung beendet. Exzessiver Wasser- und Mineralverlust sollen vermieden werden.

Ölen und Schwitzen (Snehana und Svedana) sind also ölige und wässrige Ausleitungsverfahren, die beide, sich ergänzend, zu Anwendung kommen.

So auch beim königlichen Ölbad, dem Pizzichil:

Es gilt das Prinzip: erst ölen, dann schwitzen. Also beginnt die Behandlung mit einer Ölmassage als Ganzkörpersynchronmassage, die mit angewärmtem Öl durchgeführt wird. Im Anschluss daran, wird der Körper synchron auf beiden Hälften mit Öl, das je nach Verträglichkeit auf Temperaturen um 45° erhitzt ist, begossen. Wobei die streichende Hand des Ayurveda-Therapeuten dem Ölstrahl folgt. Auf diese Weise erwärmt sich der Organismus allmählich, und es tritt nach einiger Zeit eine Schweißreaktion auf. Es ist hierbei um fünf Liter Öl in einem geschlossenen System über ca. eine Stunde im Umlauf.

Nach der Ölmassage sieht man zumeist deutlich, dass das „gebrauchte“ Öl nicht mehr goldgelb, hell und durchscheinend ist wie vor der Massage, sondern stark getrübt, ja milchig wirkt und z.T. Ablagerungen enthält. Man kann sich vorstellen, dass allein durch die physikalische Reibung oberste Epithelschichten der Haut abschilfern. Auch finden sich Schweiß, Talg, Haare und feine Luftbläschen im Öl.

Wie weit können Giftstoffe wie polychlorierte Biphenyle (PCB), Hexachlorcyclohexan (HCH) oder Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) etc. durch die Ölmassage eliminiert werden? 

Uns hat jedoch darüber hinaus die Frage interessiert, inwieweit nicht auch andere Substanzen durch Ölmassage - also auf diesem Wege eliminiert werden können, z.B. chemisch gesehen, aromatische Verbindungen vom Typ der polychlorierten Biphenyle (PCB), Hexachlorcyclohexan (HCH) oder Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) und dessen Abkömmlinge (DDE). Diese zählen zu den sogenannten Umweltgiften und finden sich u.a. in Pflanzenschutzmitteln. Auch der Nachweis von Schwermetallen von Cadmium, Blei, Quecksilber, Nickel, Kupfer und Palladium, die teilweise in toxischen Konzentrationen in Luft, Wasser, Nahrung und Zahnfüllungen enthalten sind, war Teil unserer Untersuchungen.

Grundsätzlich ist es wenig sinnvoll, ungezielte Öluntersuchungen bei jedem Patienten durchzuführen, da dieses der berühmten Suche nach einer Nadel im Heuhaufen gleichkäme. Denn nicht jeder, der Kontakt mit diesen Substanzen hat, lagert sie auch in seinem Gewebe ein. Und wenn, dann zeigen sich wiederum nur bei einigen wenigen Menschen klinisch fassbare Symptome. Um ökonomisch vorzugehen, ließen wir Pizzichil-Öle von Patienten vor und nach den Ölmassage untersuchen, bei denen Schadstoffe im Blut nachgewiesen waren und die Symptome von Umweltkrankheiten aufwiesen. Das königliche Ölbad war gleichzeitig nur eine Behandlung unter vielen, die im Rahmen einer Pancakarma-Kur, einem definiertem ayurvedischen Reinigungsverfahren, durchgeführt wurde.

Bemerkenswert bei diesem Vorgehen ist, dass der Ausleitungsphase eine Mobilisierungsphase vorausgeht, welche wiederum das Prinzip Snehana und Svedana, Ölen und Schwitzen, enthält.

Es handelt sich also um ein in einem größeren Gesamtrahmen eingebettetes Geschehen und nicht isolierte Maßnahmen. Während einer Pancakarma-Kur werden die gesamte Haut und Schleimhäute, speziell des Magen-Darm-Traktes, als Ausleitungsorgane genutzt und dafür stimuliert. Dieses zu erwähnen erscheint wichtig, bevor einige der Untersuchungsergebnisse vorgestellt werden sollen. Und die von uns verwendeten Rohöle stammen aus biologisch-kontrolliertem Anbau und wiesen bei der letzten Rückstandsuntersuchung keine Pestizidbelastung auf. Die Schwermetallbelastung lag bei allen untersuchten Metallen (Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Nickel, Quecksilber mit Ausnahme von Kupfer (1,06 mg/kg) und Zink (0,60 mg/kg) jeweils unter 0,1 mg/kg Öl. 

Ölmassage - Fallbeispiel I:

Patientin mit sich über die Jahre verschlimmernden, sehr unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Kraftlosigkeit, Allergieneigung. Auch Phasen von Hypoglykämie und Haarausfall waren vorgekommen.

Bei Blutuntersuchungen waren z.T. erhebliche Belastungen an PCB (4 Subtypen), DDE, HCH, Kupfer, Quecksilber und Silber festgestellt worden. Quelle dieser Substanzen könnten Holzschutzmittel sein, mit denen die Wohnungswände Anfang der 70er Jahre gestrichen worden sind.

Bei der Rückstandsanalyse der Öle im Verlauf des Pancakarma zweigte sich eine deutlich messbare Mobilisation bei drei der vier PCB-Typen und verstärkte Kupferausscheidung.

Die übrigen Parameter waren unverändert.

Klinisch ging es der Patientin am Ende des Kuraufenthaltes sehr viel besser, was Leistungsfähigkeit und Konzentration betraf. 

Parameter

Öl vor Pizzichil

Öl nach Pizzichil

Dimensionen

Kupfer

0,171

0,329

mg/kg Ts

Quecksilber

< 0,02

< 0,02

mg/kg Ts

Silber

0,004

0,005

mg/kg Ts

PCB 138

< 0,01

0,867

mg/kg Ts

PCB 153        

< 0,01

1,835

mg/kg Ts

PCB 180

< 0,01

< 0,01

mg/kg Ts

PCB 150

< 0,01

0,856

mg/kg Ts

DDE

< 0,01

< 0,01

mg/kg Ts

HCH

< 0,01

< 0,01

mg/kg Ts

Ölmassage - Fallbeispiel II:

Im Vergleich dazu konnte bei einem Patienten, der ebenfalls eine starke bekannte Belastung an HCH, DDT, PCB (3 Subtypen) aufwies, aber keine Pancakarma-Therapie machte, keinerlei Mobilisierung der Substanzen nachgewiesen werden. 

Parameter

Öl vor Pizzichil

Öl nach Pizzichil

Dimensionen

α-HCH

1,59

1,52

mg/kg

β-HCH

0,42

0,43

mg/kg

γ-HCH

0,18

0,18

mg/kg

δ-HCH

0,11

0,12

mg/kg

ε-HCH

0,04

0,05

mg/kg

DDT

0,34

0,35

mg/kg

Ölmassage - Fallbeispiel III:

Ein Patient mit seit 10 Jahren bestehenden Tinnitus und nachgewiesener Schwermetallbelastung durch Kupfer, Blei, Quecksilber und Palladium, welche als mögliche Auslöser für die Entstehung von Ohrgeräuschen u.a. diskutiert werden, unterzog sich einer Pancakarma-Therapie.

Die Tinnituserkrankung befand sich in einem langjährigen chronischen Stadium, in welchem „echte“ Heilungschancen, nämlich das Verschwinden der Ohrgeräusche, sehr selten sind.

So war nach Beendigung der Kur auch keine Verbesserung des Tinnitus feststellbar, im rückstandsuntersuchten Öl fanden sich aber erhöhte Konzentrationen insbesondere an Blei und, geringer, auch an Kupfer. 

Parameter

Öl vor Pizzichil

Öl nach Pizzichil

Dimensionen

Blei

0,73

4,76

mg/kg

Cadmium

< 0,01

< 0,01

mg/kg

Nickel

1,11

1,27

mg/kg

Kupfer

0,19

0,43

mg/kg

Quecksilber

< 0,02

< 0,02

mg/kg

Diese Einzelbeobachtungen müssen zunächst als solche betrachtet werden. Sie können uns möglicherweise Tendenzen aufzeigen, ohne allgemeingültig zu sein. Des weiteren ist eine Pancakarma-Kur ein Shodana-Verfahren, eine Reinigungskur, die in ihrer Gesamtheit ausleitend wirkt. Einzelne Ölmassage n wie u.a. das Pizzichil tragen nur als Mosaikstein zur Shodana-Wirkung bei.

Weitere Beobachtungen und Untersuchungen werden folgen, welche somit den Brückenschlag von der traditionellen Erfahrungsmedizin zur Wissenschaft vollziehen. Denn Tradition charakterisiert typischerweise die vielfältige Natur des Ayurveda, wie er schon seit mehreren Jahrtausenden besteht.

B. Radinger
Ärztin in der Ayurveda Klinik


E-mail: info@ayurveda-klinik.de Adresse: Ayurveda-Klinik Kassel, Habichtswald-Klinik, Wigandstrasse 1, D-34131 Kassel.

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