Darmerkrankungen und Ayurveda. Der Darm ist das Organ des Körpers, welches für die Aufnahme unserer Energie und sämtlicher Nährstoffe zuständig ist. Der Darm ist von entscheidender Bedeutung für unsere Immunabwehr. Die Mehrzahl aller Abwehzellen ist darmassoziiert. Während wir über unsere Haut nur mit ca. 2 qm Oberfläche Kontakt mit unserer Umwelt aufnehmen, sind dies beim Darm mehrere hundert Quadratmeter. Der Darm ist also die größte Kontaktfläche zwischen uns und unserer Umwelt, er ist also das Bindeglied zwischen Innen und Außen, Selbst und Fremd, Abwehr und Toleranz.
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Darmerkrankungen und Ayurveda

Der Darm ist das Organ des Körpers, welches für die Aufnahme unserer Energie und sämtlicher Nährstoffe zuständig ist. Der Darm ist von entscheidender Bedeutung für unsere Immunabwehr. Die Mehrzahl aller Abwehzellen ist darmassoziiert. Während wir über unsere Haut nur mit ca. 2 qm Oberfläche Kontakt mit unserer Umwelt aufnehmen, sind dies beim Darm mehrere hundert Quadratmeter. Der Darm ist also die größte Kontaktfläche zwischen uns und unserer Umwelt, er ist also das Bindeglied zwischen Innen und Außen, Selbst und Fremd, Abwehr und Toleranz.

Bei entzündlichen Darmerkrankungen ist das subtile Gleichgewicht zwischen Abwehr und Toleranz gestört. Die Abwehrleistung des menschlichen Organismus ist dabei soweit gesteigert, dass die eigenen Darmschleimhautzellen geschädigt werden. Während schulmedizinische Methoden sich darauf beschränken, die Abwehr zu unterdrücken (z B. mit Kortison) oder den Ort des pathologischen Geschehens einfach herausschneiden (z. B. Teilresektion), versuchen naturheilkundliche Verfahren das gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen. Hierzu können beispielsweise Ernährung und Mikrobiologische Therapie, aber auch psychotherapeutische Verfahren einen großen Beitrag leisten.

Einen konstitutionell ausgerichteten Ansatz verfolgt der AYURVEDA: In der folgenden Kasuistik wird anschaulich dargestellt, wie mit innerlichen und äußerlichen fetten ein Ausgleich der „fehlgeleiteten Energien“ geschaffen wird, der schon nach wenigen Tagen zu einer subjektiv spürbaren Verbesserung der Symptomatik führt.

Dr. Volker Schmiedel

Fallbeispiel: Darmerkrankung und AYURVEDA

46-jährige Patientin

Diagnosen:

-          Morbus Crohn (Erstdiagnose 1969) jetzt: Dauerschmerz im rechten Unterbauch bei Stenosierung im Anastomosenbereich

-          Thyreoideateilresektion (Rechter Lappen) 1984

-          HWS-/LWS-Syndrom

Vorgeschichte:
Seit 28 Jahren ist ein Morbus Crohn bei der Patientin diagnostiziert. Bis vor etwa 16 Jahren kam es schubweise (ein- bis zweimal jährlich, vorwiegend im Winterhalbjahr) zu akuten Exazerbationen der Entzündung. In dieser Zeit auch rezidivierend auftretende Analfisteln. Vor 16 Jahren wurde die erste Darmrektion durchgeführt; danach wurde – bis vor vier Jahren – insgesamt viermal nachreseziert (wegen Adhäsionen, Briden etc.) Die Patientin hat eine Unverträglichkeit auf Salicylate entwickelt, und auch andere Medikamente zur Behandlung des Morbus Crohn werden nicht vertragen, so dass sie in den sechs Monaten vor stationärer Aufnahme keine entsprechende Medikation einnimmt. Die Medikation bei Aufnahme besteht in peroraler Einnahme von Thyroxin und einem Östrogen-Gestagen-Präparat.

Die Patientin kommt jetzt zur Aufnahme bei starkem Dauerschmerz im rechten Unterbauch, verursacht durch eine Stenosierung und Briden im Bereich der Anastomose. Des Weiteren besteht eine Lumbalgie und seit zwei Jahren eine Einschlafstörung. Stuhlfrequenz: sechsmal täglich dünnflüssiger Stuhl, kein Schleim- oder Blutabgang. Gegen Abend zunehmende Flatulenz.

Bei Aufnahme weist die Patientin abdominell reizlose Operationsnarben auf. Es besteht Ruhe- und Druckschmerz im rechten Unterbauch, kein Meteorismus.

Therapie und Verlauf:

Aus ayurvedischer Sicht hat die Patientin eine Pitta-Vàta-Konstitution (Prakrti) mit Vàta-Aggravation. Die Vàta-Aggravation äußert sich sowohl in abdominellen Schmerzen (ayurvedisch: Sùla) als auch in Lumbalgie und Einschlafstörung. Auf der Grundlage des Panchakarma-Konzepts wird ein kurzzeitiges Heilverfahren eingeleitet mit dem Ziel einer spezifischen Vàta-Beruhigung.


Das Therapieverfahren enthält im einzelnen folgende Elemente:

I.        „Mobilisierende Maßnahmen“ (Pùrvakarma):

Snehana („Therapie mit Ölen und Fetten“), dieses hat zwei Aspekte:

Hierzu gehören äußerliche Anwendungen mit speziellen Ölen und Fetten ebenso wie das Snehapána, das ist die Einnahme eines speziell aufbereiteten Butterfetts.

Svedana („Schwitztherapie“): in diesem Falle handelte es sich dabei um eine Dampfsauna mit spezifischen Kräutern.

II. „Hauptmaßnahmen“ (Pradhànakarma):

Anulomana, milde Abführtherapie

Zu diesen „Hauptmaßnahmen“ hinzu werden noch spezielle äußerliche Anwendungen gegeben, in diesem Falle insbesondere Upanàhasveda (spezielle Wärmebehandlung für den Bereich der Wirbelsäule) und Udarabasti ( spezielle Auflage zur Beruhigung der abdominellen Vàta-Störung).

Grundlage des ayurvedischen Vorgehens ist größtmögliche Berücksichtigung der Individualität. So werden die Öle und Fette für innerliche und äußerliche Therapie auf den einzelnen Patienten abgestimmt. Der Therapieverlauf gestaltete sich folgendermaßen:

Tag 1- 3:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche Fettbehandlung)
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)

Tag 4- 5:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)

Tag 6:
Virecana, Abführtherapie

Tag 7:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung), speziell Udarabasti (spezielle Auflage zur Beruhigung der abdominellen Vàta-Störung)
Svedana (Schwitzen), speziell Upanàhasveda (spezielle Rückenbehandlung)

Tag 8-9:
Udarabasti ( spezielle Auflage zur Beruhigung der abdominellen Vàta-Störung)
Svedana (Schwitzen), speziell Upanàhasveda (spezielle Rückenbehandlung)

Tag 10:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung), speziell Udarabasti ( spezielle Auflage zur Beruhigung der abdominellen Vàta-Störung)
Svedana (Schwitzen), speziell Upanàhasveda (spezielle Rückenbehandlung)

Tag 11:
Udarabasti ( spezielle Auflage zur Beruhigung der abdominellen Vàta-Störung)
Svedana (Schwitzen), speziell Upanàhasveda (spezielle Rückenbehandlung)

Tag 12-14:
Udarabasti ( spezielle Auflage zur Beruhigung der abdominellen Vàta-Störung)

Tag 15:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)

Tag 16:
-

Tag 17:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)

Über den ganzen Zeitraum ist die Kost speziell zusammengesetzt. Die abdominelle Schmerzsymptomatik zeigt zunächst einen undullierenden Verlauf, hat bei Ende des Therapieverlaufs jedoch deutlich abgenommen, insbesondere besteht kein Dauerschmerz mehr. Die Patientin selbst beschreibt, die „Narbenzüge seien weniger schmerzhaft“. Die Frequenz des Stuhlgangs ist unverändert, in der Konsistenz sei der Stuhl jedoch „fester“. Ab dem 6. Behandlungstag (an diesem Tag wird das milde Abführen durchgeführt) besteht keine Schlafstörung mehr. Die Lumbalgie lässt sich durch die entsprechende Behandlung ebenfalls positiv beeinflussen. Aus ayurvedischer Sicht hat eine Vàta-Beruhigung begonnen, die durch entsprechende Diätetik auch in der Folge positive Auswirkungen zeigen wird.

Ananda S. Chopra 

Pancakarma-Kur Eine Therapieform, die im Ayurveda von großer Bedeutung ist. Erfahren Sie mehr

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