Arterielle Hypertonie und Ayurveda, Zwei Fallbeispiele der Behandlung mit Ayurveda
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Arterielle Hypertonie

Arterielle Hypertonie und Ayurveda
 Zwei Fallbeispiele der Behandlung mit Ayurveda

Einleitung: Hypertonie und Ayurveda

Es besteht Einigkeit darüber, dass die Hypertonie zu den volkswirtschaftlichen bedeutendsten Erkrankungen in westlichen Industriegesellschaften zählt. Mehr noch als die unmittelbaren Kosten für Diagnostik und Antihypertensiva schlagen die Kosten der durch Bluthochdruck mit verursachten Krankheiten (z.B. Herzinfarkt, Apoplex, AVK der Beine) zu Buche. 

Wenn es hier Möglichkeiten gibt, einfach, preiswert und ohne Nebenwirkungen die Hypertonie effektiv zu behandeln, so ist dies eine enorme Ersparnis für unser am Rande der finanziellen Dekompensation stehendes Gesundheitssystem –von der Vermeidung von Siechtum und Leid bei den betroffenen Patienten ganz abgesehen. 

In zahlreichen Einzelstudien konnte belegt werden, dass naturheilkundliche Maßnahmen wie Bewegungstherapie, Ernährung oder Stressbewältigung durchaus in der Lage sind, zu einer vernünftigen Blutdruckeinstellung beizutragen. Problematisch ist in diesem Zusammenhang,

  • dass Einzelmaßnahamen zwar signifikante, aber häufig allein nicht ausreichende Effekte erzielen,
  • und dass die Patienten die Verfahren oft nicht konsequent und lange genug anwenden.

Der AYURVEDA bietet hier den großen Vorteil, ein ganzes Bündel an synergistisch wirkenden Maßnahmen bereitzustellen, die in ihrer Ganzheit die oftmals verblüffend raschen und tiefgreifenden Effekte auf die Hypertonie und sogar auf die hierdurch bedingten EKG- Veränderungen zu erklären vermögen. Hat der Patient erst einmal die –auch subjektiv spürbaren- Veränderungen erfahren, besteht eine große Motivation, die entsprechende, nach ayurvedischen Empfehlungen ausgerichtete Lebensweise beizubehalten. 

Im Folgenden sind zwei Fallbeispiele aufgeführt, die für mich als lange Zeit mit Hypertonikern arbeitender Arzt doch sehr verblüffend waren. 

Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Experte in biologischer Medizin (Univ. Mailand) 

Fallbeispiel I: Arterielle Hypertonie und AYURVEDA

63-jähriger männlicher Patient: 

Hauptdiagnosen:
-          Arterielle Hypertonie (seit 37 Jahren antihypertensive Therapie)
-          Hypercholesterinämie (zuviel Cholesterin im Blut)
-          Chronische Periarthropathia humeroscapularis rechts (degenerative Gelenkserkrankung)

Nebendiagnosen: 
-          Depressive Verstimmung
-          Obstipation
-          Benigne Prostatahyperplasie (gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse) 

Arterielle Hypertonie- Vorgeschichte:

Seit 37 Jahren wird der Patient wegen arterielle r Hypertonie medikamentös behandelt. Beide Elternteile litten an Erkrankungen des Herzkreislaufsystems. Der Patient ist zudem seit 27 Jahren in ärztlicher Behandlung wegen Hypercholesterinämie. Eine Nephrolithiasis wurde bereits viermal chirurgisch behandelt. Seit zwei Jahren bestehen Beschwerden im rechten Schultergelenk aufgrund einer Periarthropathia humeroscapularis. In letzter Zeit sei eine Belastungsdyspnoe aufgetreten. Wegen Neigung zu depressiver Verstimmung hatte der Patient zeitweise (1965-1987) Psychopharmaka eingenommen. Seit sieben Jahren ist der Patient Rentner. Zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme nimmt der Patient ein Kombinationspräparat aus einem Calciumantagonisten und einem Beta-Rezeptorenblocker unter dieser Therapie liegt der Blutdruck bei Werten zwischen 150/85 und 170/100 mmHg. 

Bei Aufnahe sehen wir einen adipösen (Körpergröße: 168 cm. Körpergewicht: 95 kg, BMI: 33,7 kg/m²) Patienten mit Druckschmerz im Bereich des rechten Schultergelenks. Der Blutdruck liegt bei 160/90 mmHg. 

Arterielle Hypertonie- Therapie und Verlauf: 

Aus ayurvedischer Sicht besteht bei dem Patienten eine Pitta-Aggravation auf dem Boden einer Kapha-Pitta Konstitution (Prakrti). Eine altersentsprechende Vàta-Erhöhung verstärkt das Dosha-Ungleichgewicht. Auf der Grundlage des Pancakarma-Konzepts wird ein Therapieverfahren durchgeführt, das im einzelnen folgende Elemente enthält: 

I.  „Mobilisierende Maßnahmen“ (Pùrvakarma):
 Snehana („Therapie mit Ölen und Fetten“), dieses hat zwei Aspekte:

A.  Àbhyantara Snehana (Innerliches Fetten“) hierzu gehört das Snehapána, das ist die Einnahme eines speziell aufbereiteten Butterfetts.

B. Bàhya Snehana: Spezifische äußerliche Anwendungen mit Ölen und Fetten. Öle und Fette werden dabei speziell auf den einzelnen Patienten abgestimmt. Ebenso Art, Dauer und Intensität der Anwendung.

Svedana („Schwitztherapie“): Dies umfasst spezielle Wärmeanwendungen für einzelne Körperteile (in diesem Fall für den Bereich des rechten Schultergelenks) wie für den ganzen Körper. 

II. „Hauptmaßnahmen“ (Pradhànakarma):
    Virecana, Abführtherapie.
   Bastikarma, speziell zusammengestellte Enemata zur Therapie über die Darmschleimhaut.
   Nasya, spezielle Behandlung für den Kopf-Hals-Bereich.
   Raktamoksana, ayurvedischer Aderlass. 

Der Patient blieb insgesamt 45 Tage. Das Heilverfahren sah zeitlich gerafft folgendermaßen aus:

Tag: 1 2-4 6 7-9 10-17 18-19 20 21-23 24-41 42 43 44-45
Snehana: A.Snehapana
(innerliche Fettbehandlung)

                     
B. Bayha Snehana
(äußerliche Fettbehandlung)  
       
Sveclana (Schwitzen)                  
Virecana (Abführen)                      
Basti (Enemata)                      
Nasya (Ausleitende Inhalationsbehandlung)                      
Raktamoksana (Ayurvedischer Aderlass)                      

Über den ganzen Zeitraum wurde die Kost speziell nach ayurvedischen Gesichtspunkten zusammengestellt. 

Unter dieser Behandlung konnten wir die antihypertensive Medikation zunächst zweimal halbieren (am 9. Behandlungstag dann wiederum am 30. Behandlungstag) und schließlich am 38. Behandlungstag vollständig absetzen. Bei Entlassung wies der Patient Blutdruckwerte von 135/85 mmHg auf. Eine 24-stündige Blutdruckmessung –nach Beendigung der antihypertensiven Therapie – ergab einen altersentsprechenden Normalbefund mit erhaltener circadianer Rhythmik. Im Verlauf der 45-tägigen Behandlung nahm der Patient 15 kg Körpergewicht ab. Im EKG bei Aufnahme beobachtete Erregungsrückbildungsstörungen haben sich im Verlauf gut zurückgebildet. Die Schmerzsymptomatik im Schulterbereich tritt nur noch selten auf. Subjektiv weist der Patient eine positive Grundstimmung auf, ganz im Gegensatz zur depressiven Verstimmung bei Aufnahme. 

Fallbeispiel II: arterielle Hypertonie und AYURVEDA

57-jährige Patientin 

Diagnosen: 
-          Arterielle Hypertonie
-          Pochender Kopfschmerz linksparietal
-          Hysterektomie bei Portiocarcinom 1973

Arterielle Hypertonie- Vorgeschichte: 

Seit Jahren leidet die Patientin an arterieller Hypertonie. Einige Zeit hatte sie in den Vereinigten Staaten gelebt und war dort konsequent medikamentös behandelt worden. Die verordneten Medikamente habe sie –wegen starker Nebenwirkungen (starke Müdigkeit und Inappetenz)- abgesetzt. In der Vorgeschichte ist außerdem eine Migräne bekannt, die seit 15 Jahren nicht mehr aufgetreten ist, einige Tage vor stationärer Aufnahme trat ein linksparietaler Kopfschmerz auf. Allgemein ist die Patientin schnell erschöpft. 

Die Patientin, die jetzt in der Schweiz lebt, kommt aus eigener Initiative für einen vierzehntägigen Aufenthalt. Bei Aufnahme weist die normalgewichtige Patientin (Körpergröße: 168 cm, Körpergewicht: 58,7 kg, BMI: 20,8 kg/m²) einen Blutdruck von 190/100 mmHg auf sowie einen verbreiterten und hebenden Herzspitzenstoß (als Ausdruck eines verstärkten linksventrikulären Impulses). Im EKG zeigen sich in den Brustwandableitungen V₅  und V₆  über dem linken Herzen und in Ableitung I, II, III und an aVF Erregungsrückbildungsstörungen mit präterminal negativen T-Wellen. 

Arterielle Hypertonie- Therapie und Verlauf:

Aus ayurvedischer Sicht hat die Patientin eine Pitta-Vàta Konstitution (Prakrti) mit Vàta-Aggravation. Diese Vàta-Aggravation äußert sich sowohl in Kopfschmerzen (ayurvedisch: Siroroga) als auch in einer stark sympathikotonen Dysregulation der cardialen Funktion (ayurvedisch: Hydroga). Auf der Grundlage des Pancakarma-Konzepts wird ein kurzzeitiges Heilverfahren eingeleitet. Der Blutdruck ist in den ersten Tagen anhaltend hoch (am zweiten Tag z. B. 190/100, dann 180/95 u. ä.), eine schulmedizinische pharmakologische Therapie – wie von dem mitbetreuenden Internisten empfohlen – wird von der Patientin abgelehnt.

Das Therapieverfahren enthält im einzelnen folgende Elemente: 

I.        „Mobilisierende Maßnahmen“ (Pùrvakarma):
Snehana („Therapie mit Ölen und Fetten“), hierzu gehören äußerliche Anwendungen mit speziellen Ölen und Fetten ebenso wie Snehapána, das ist die Einnahme eines speziell aufbereiteten Butterfetts.

II. „Hauptmaßnahmen“ (Pradhànakarma):
Virecana, Abführtherapie.
Bastikarma, speziell zusammengestellte Enemata zur Therapie über die Darmschleimhaut.

Zu diesen „Hauptmaßnahmen“ hinzu werden noch spezielle äußerliche Ölbehandlungen gegeben, in diesem Fall insbesondere Sirodhàrà (vegetativ ausgleichender Stirnölguss) und Pàdàbhyanga (ayurvedische Fußmassage) über mehrere Tage im Wechsel. 

Grundlage des ayurvedischen Vorgehens ist größtmögliche Berücksichtigung der Individualität. So werden die Öle und Fette für innerliche und äußerliche Therapie speziell auf den einzelnen Patienten abgestimmt. Der Therapieverlauf gestaltet sich folgendermaßen:

Tag 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Snehana:
A. Snehapna
(Innerliche Fettbehandlung)
                       
B. Bahya Snehana
(Äußerliche Fettbehandlung)                   
             
speziell: Sirodhara (Stirnölguss)                      
Padabhyanga (ayurved. Fussmassagen)                      
Virecana (Abführen)                                                              
Bastikarma (Enemata)                      

Über den ganzen Zeitraum wird die Kost je nach Phase des Heilverfahrens speziell zusammengesetzt. Die Kopfschmerzen treten nach dem Virecana-Tag nicht mehr auf. Der Blutdruck sinkt nur langsam auf 150/90 mmHg am Abreisetag. Subjektiv fühlt sich die Patientin wesentlich belastbarer als in den letzten Jahren. Klinisch hat sich der Herzspitzenstoß normalisiert, was wir als Zeichen einer Normalisierung der stark sympathikotonen Dysregulation des Herzens werten. In der EKG-Kontrolle (ebenfalls am Abreisetag) zeigt sich eine unerwartet deutliche Rückbildung der präterminal negativen T-Wellen mit inzwischen wieder konkordanten T-Wellen. Die starke Vàta-Aggravation konnte aus ayurvedischer Sicht in kurzer Zeit normalisiert werden.

Ananda S. Chopra

(Dr. Kalyani Chopra, Leitende Ärztin der Ayurveda-Klinik Kassel)

E-mail: info@ayurveda-klinik.de Adresse: Ayurveda-Klinik Kassel, Habichtswald-Klinik, Wigandstrasse 1, D-34131 Kassel.

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