


Patient: Frau Franziska G. aus L.
Franziska G. aus L. befand sich Anfang 1997 für 6 Wochen in stationärer psychotherapeutischer Behandlung in der Habichtswald Klinik. Während der zweiten Hälfte des stationären Aufenthaltes wurde sie über 3 Wochen auch ayurvedisch behandelt.
Diagnosen: Psycho-vegetatives Syndrom.
HWS-Syndrom.
Migräne.
Frau G. war bei Aufnahme 45 Jahre alt. Sie arbeitet seit 1985 selbständig in eigener Praxis als Heilpraktikerin, Homöopathin und Psychotherapeutin. Frau G. ist seit 1991 geschieden, hat einen 16-jährigen Sohn, der bei ihr lebt, keine Partnerschaft.
Aktuelle Situation und Symptomatik:
Zum Aufnahmegespräch erschien eine schlanke, gepflegte, attraktive, müde und erschöpft wirkende Frau, in gedrückter Stimmung. Frau G. berichtete, sie habe eigentlich immer in ihrem Leben fleißig gearbeitet, seit ihrer Scheidung 1991 aber ihr Arbeitspensum noch einmal deutlich erhöht. Sie sei beruflich erfolgreich, leide aber in den letzten Jahren zwei bis dreimal wöchentlich und besonders auch an den Wochenenden an schweren Migräneanfällen. Der Schmerz sei sehr intensiv, sie nehme dann – allerdings ohne Erfolg – viele Medikamente, fühle sich verzweifelt und „wie ein Wrack“. Meistens wacht sie morgens mit pulsierenden Kopfschmerzen auf, kann dann nicht mehr liegen. Die Kopfschmerzen treten halbseitig auf, die Seite wechsle, verbunden damit sei eine starke Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Über den Vormittag und Mittag nehmen die Kopfschmerzen zu und lassen erst nachmittags nach. Im Anschluss an einen Migräneanfall fühle sie sich erschöpft, ausgelaugt und müde und brauche einen halben bis zu einem ganzen Tag, bis sie wieder einsatzfähig sei.
In den letzten Jahren sei ausgiebige neurologische Diagnostik
gemacht worden, die Migränediagnostik sei per EEG bestätigt worden.
Alle klassischen schulmedizinischen Behandlungen habe sie –
weitgehend erfolglos – probiert, ebenso ohne Erfolg homöopathische
und verschiedene naturheilkundliche Therapien.
Inzwischen habe sie Angst vor dem Schmerz, gerate dadurch in
zunehmende Spannungen und habe ein HWS-Syndrom mit
Spannungskopfschmerzen, die sie von der Migräne aber deutlich
unterscheiden könne, entwickelt. Sie komme hierher, weil sie sich
von einer kombinierten Behandlung mit psychotherapeutischen
Gesprächen, Entspannungsverfahren und Ayurveda, eine Hilfe
verspreche in Bezug auf Linderung ihrer Kopfschmerzen und
Verständnis der Schmerzsymptomatik im Kontext ihrer
Lebensgeschichte.
Vormedikation:
Niacinamid 2 Kaps. Tgl.
Bei Bedarf Paracetamol Tabl.
Familienanamnese:
Durchschlafstörungen, sonst unauffällig.
Der körperliche Befund war bis auf deutliche Muskelverspannungen paravertebral sowie im Schulter-Nacken-Bereich, ebenso die Laborparameter.
Genese und Psychodynamik:
Frau G. wuchs als Älteste von 4 Kindern in einem großen
Geschäftshaushalt auf. Die Eltern hatten eine Weinkelterei und
mussten sehr viel arbeiten. Die Kinder seien von wechselnden
Kindermädchen versorgt worden. Frau G. habe sich in ihrer Kindheit
sehr einsam gefühlt, die Erziehung sei streng katholisch gewesen.
In langen Zwiegesprächen mit dem Lieben Gott habe sie versucht,
ihre Einsamkeit zu überwinden. Sie habe mit der Mutter, die oft
krank gewesen sei und sehr viel arbeiten musste, Mitleid gehabt.
Sie sei hauptsächlich für die Kindererziehung zuständig gewesen,
den Vater erlebte Frau G. als einen sehr sensiblen und stillen
Menschen, der in seinem Weinkeller Gedichte schrieb. Mit ihm habe
sie seltene, gute Gespräche geführt.
Nach der Mittleren Reife absolvierte Frau G. ein soziales Jahr in einem Kloster. Im Alter von 24 Jahren habe sie ihren späteren Ehemann kennengelernt, mit dem sie 5 Jahre auf einer spanischen Insel gelebt habe. Zurückgekehrt seien sie gemeinsam als sie schwanger geworden war.
Frau G. arbeitete mit im Büro ihres Mannes, der sich als KFZ -Händler selbständig machte, fühlte sich in der Ehe, die sie in der Hoffnung auf Lebensfreude eingegangen war, aber zunehmend privat wie auch beruflich nicht ausgefüllt, weswegen sie nebenbei die Ausbildung zur Heilpraktikerin und Homöopathin machte. Nach der Trennung von ihrem Mann 1991 machte sie sich mit der eigenen Praxis selbständig und ist hier auch erfolgreich, konnte aber in letzter Zeit wegen erheblicher Beschwerden durch die Migräne ihre Praxis nicht mehr führen.
Als älteste Tochter einer kränklichen, arbeitsüberlasteten
Mutter und eines etwas weltfremden und schöngeistigen Vaters,
lernte Frau G. sehr frühzeitig, eigene kindliche Wünsche und
Bedürfnisse zurückzustellen und Verantwortung in der
Geschwisterbetreuung und der Entlastung der Mutter zu
übernehmen.
Katholisch erzogen, richtete sie bereits als kleines Mädchen ihre
Sehnsucht auf Gott aus und suchte bei ihm Trost in ihrer
Einsamkeit, während sie nach außen hin funktionierte und frühre
Selbständigkeit entwickelte.
Spiritualität und die Suche nach Gott blieben auch in ihrem
weiteren Leben ein wichtiges Thema, eng damit verbunden waren immer
durch ihren ursprünglichen katholischen Glauben geprägte
Moralvorstellungen, aus denen Konflikte zwischen vitalen Wünschen
in Liebesbeziehungen und später in ihrer Ehe und dagegenstehende
Über-Ich-Ansprüche gespeist wurden. So wurde die aus der
Sehnsucht nach Vitalität, Lebensfreude und Abenteuer geschlossene
Ehe nach einigen guten Anfangsjahren im Erleben der Patientin
zunehmend hohl und enttäuschend. Auf der Suche nach Lebenssinn und
innerer Erfüllung fand Frau G. in der Ausbildung und später auch in
der Ausübung des Heilpraktikerinnenberufs für sich ein sehr
befriedigendes Arbeitsfeld und konnte über Jahre quasi ihre gesamte
Lebensenergie in diesen Bereich fließen lassen, allerdings um den
Preis der oben geschilderten, im Laufe der Zeit zunehmenden
Schmerzsymptomatik.
In dem Komplex viel Arbeit und viel Schmerz wiederholt Frau G. ein
Stück weit die Lebensthematik ihrer Mutter, mit der sie sich
frühzeitig identifiziert hatte.
Behandlungsverlauf:
Wir behandeln Frau G. zunächst mit tiefenpsychologisch fundierten
Einzelgesprächen, Tiefenatmung (Einzeln), Fußreflexzonenmassagen
und Dauerliegeduschen.
Die Ayurveda -Behandlung war von Anfang an eingeplant. Wir gingen davon aus, dass zunächst eine Zeit des Ankommens und in den therapeutischen Kontakt findens, sinnvoll wäre. Frau G. war anfänglich in einem tief erschöpften Zustand, dabei gleichzeitig im Zusammenhang mit häufigen Migräneanfällen innerlich hoch gespannt und aggressiv gereizt. Auch die Umstellung von ihrer vertrauten Therapeutinnenrolle auf die Patientinnenrolle war zunächst schwierig. Die Situation der „Ältesten“, die so sehr daran gewöhnt ist, sich zusammenzunehmen und zu funktionieren, dass es auch schwer ist, ein entspannendes, empatisches Angebot anzunehmen und sich dem anzuvertrauen, wurde schnell deutlich und konnte besprochen werden. Danach konnte sich Frau G. zunehmend entspannen und sich in den Atemsitzungen und unter der Dauerbrause schmerzhaften Gefühlen von Einsamkeit, Anspannung und Überforderung und vielen Tränen überlassen.
Anschließend an diese erste therapeutische Phase tauchten in der Tiefenatmung und auch in nächtlichen Träumen sadomasochistisch getönte sexuelle Phantasien auf, die Frau G. in Einzelgesprächen unter der Überwindung massiver Scham und durch die Religion geprägter Schuldgefühle thematisierte.
Bevor es möglich war, sich mit den eigentlichen Inhalten dieser
Phantasien auseinanderzusetzen, konnte die Scham- und
Schuldthematik und der hohe ethische moralische Anspruch, den Frau
G. an sich selber hat, beleuchtet werden. In diesem Zusammenhang
tauchte in bezug auf die Migräne die Formulierung auf „der
Heiligenschein drückt“. Diese Einsicht schaffte der Patientin eine
deutliche Symptomentlastung, die vertieft werden konnte durch die
Auseinandersetzung mit den Inhalten der sexuellen Phantasien, die
die Patientin mit viel Enttäuschung und Wut in Bezug auf den Vater
in Verbindung bringen konnte und mit abgewehrten eigenen Wünschen
und Sehnsüchten im Bereich der Sexualität. Zu diesem Zeitpunkt des
psychotherapeutischen Behandlungsverlaufs war auch die ayurvedische
Panchakarma-Kur angelaufen.
Aus ayurvedischer Sicht liegt bei der Patientin eine
Pitta-Vata-Konstitution vor. Die Migräneanfälle mit der
entsprechenden Tagesrhythmik sowie der spezifischen Symptomatik
werden als Zeichen für ein erhöhtes Pitta gewertet. Bei jeder Art
von bioenergetischem Ungleichgewicht ist das Vata als primäres
Agens movens immer mitbeteiligt. Aus dieser Erkenntnis heraus wird
ein spezielles Therapieprogramm geplant, das zeitlich gerafft
folgendermaßen aussieht:
Tag 1:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung), speziell: Sirodhara
(Stirnölguss)
Tag 2:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche Fettbehandlung)
Tag 3:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche Fettbehandlung)
Sirodhara (Stirnölguss)
Tag 4:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche Fettbehandlung)
Tag 5:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche Fettbehandlung)
Sirodhara (Stirnölguss)
Tag 6:
Svedana (Schwitzen)
Sirodhara (Stirnölguss)
Tag 7:
Virecana, Abführtherapie
Tag 8:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung), speziell: Sirodhara
(Stirnölguss)
Tag 9-10:
-
Tag 11-13:
Basti (Enemata)
Tag 14:
Svedana (Schwitzen)
Sirodhara (Stirnölguss)
Basti (Enemata)
Tag 17-19:
Nasya (ausleitende
Inhalationsbehandlung)
Tag 20:
-
Tag 21:
Svedana (Schwitzen)
Sirodhara (Stirnölguss)
Tag 22:
Sirodhara (Stirnölguss)
Basti (Enemata)
Frau G. konnte sich jetzt auf alle ihre verordneten Therapien
mit Leichtigkeit einlassen, und es war ihr von Woche zu Woche
deutliche anzusehen, dass ihre Energien wieder im Fluss waren: Ihre
Züge waren gelockert und entspannt und der bei Aufnahme auffällige
Zug von Verhärmtheit war verschwunden. Mit ihrer wiedergewonnenen
Ausstrahlung war Frau G. auch willens und in der Lage mehr mit
Mitpatienten in Kontakt zu gehen, was sie während der ersten Wochen
des Aufenthaltes fast völlig vermieden hatte. Im Folgenden war es
in Ansätzen möglich, die Leistungsthematik zu reflektieren,
speziell auch im Hinblick auf konkrete berufliche Planung für die
nahe Zukunft.
Nach 6 Behandlungswochen konnte Frau G. in erfreulich verbessertem
psycho-physischem Zustand entlassen werden. Häufigkeit und Schwere
der Migräneanfälle waren deutlich zurückgegangen, und in Verbindung
damit konnte der vor Aufnahme massive Schmerzmittelgebrauch
drastisch reduziert werden. Die parallel zur Migräne bestehenden
Spannungskopfschmerzen traten hier nach den ersten 3 Wochen
Behandlung nicht mehr auf, die muskulären Verspannungen im Nacken
und oberen Rückenbereich hatten sich deutlich gelockert. Die zuvor
bestehende ängstliche Anspannung vor dem nächsten Migräneanfall war
einer gelasseneren und optimistischen Haltung gewichen. Die
Patientin war interessiert und motiviert, die hier deutlich
gewordenen thematischen Schwerpunkte in einer ambulanten
Psychotherapie zu Hause weiter zu vertiefen.
Psychotherapie in Kombination mit
AYURVEDA Erfahrungen mit Kombinationsbehandlungen bei Frauen
Nach unserer Erfahrung haben sich 4 Hauptbeweggründe herauskristallisiert, die Frauen veranlassen, sich für eine Frauentherapiegruppe zu entscheiden:
Die stationäre Psychotherapie ist meist eingebettet in ambulante Therapie, die vorher bestand und nach Entlassung aus der stationären Psychotherapie weitergeführt wird. So nimmt die stationäre Behandlung im therapeutischen Gesamtprozess einen gewissen, oft wichtigen Platz ein. Zugleich sollte sie eine abgerundete und in sich geschlossene Sache sein, sich aber auch in das Gesamt des Therapieprozesses einordnen. Wir sind uns auch bewusst, dass wir Menschen auf ihrem Lebensweg zeitlich betrachtet meist nur ein ganz kleines Stück weit begleiten können. Wir erleben in der Arbeit aber oft, dass Patienten die stationäre Psychotherapie an wichtigen Schnittpunkten und Kreuzungen auf ihrem Weg aufsuchen und dass es an diesen wichtigen Schnittstellen dann bei relativ geringer zeitlicher Quantität um so mehr auf ausgezeichnete Qualität in der Therapie ankommt.
In spezifisch weiblichen Psychotherapieräumen und in der
Begegnung von Frauen tauchen immer wieder bestimmte Themenkomplexe
auf und kommen in den Vordergrund: Das Mütterliche, das
Schwesterliche, die Frage nach weiblichen Traditionen,
Kraftquellen, Zufluchtsorten, nach weiblicher Lust und „last but
not least“ nach weiblichen Werten.
Alle diese Themen haben Licht- und Schattenseiten. So verbindet
sich z.B. mit dem Mütterlichen auf der einen Seite alle früher
gemachten Erfahrungen von nicht gewollt sein, nicht richtig sein,
von weiblicher Minderwertigkeit, die von Frau zu Tochter
weitergegeben wird, alle Enttäuschung und aller Zorn über eine
frustrierende, versagende, strafende Mutter. Auf der anderen Seite
steht dem entgegen, was oft erst im Laufe der Therapien
wiedergefunden wird: Alle Erinnerung an Wärme, liebevolles
Getragen- und Gehaltensein, Gepflegt-, Erwünscht- und
Geschütztsein, alle Erfahrung in der Beziehung, die bedeutet: „So
wie du bist, bist du richtig und wunderbar“, alle Erfahrung und
Entfaltung von eigener Mütterlichkeit, die wirkt in der Beziehung
der Frau zu sich selbst und in den Beziehungen zu anderen.
Patientinnen, die zu uns kommen, fühlen sich meist ganz
überwiegend verbunden mit der scheinbar negativeren oder
Schattenseite dieser Themen. Sie leiden daran und tun oft alles, um
diese Schattenseiten zu bekämpfen, niederzuhalten, loszuwerden oder
vor ihnen zu fliehen. Genau durch dieses Bemühen wird den
Schattenthemen permanent Energie zugeführt und je mehr Frauen auf
der Flucht vor oder im Kampf mit den Schattenkomplexen sind, um so
größer, machtvoller und quälender erscheinen diese in der
Psychotherapie in guter Tradition da anfangend, wo die Patientin
steht, sind wir hier darauf vorbereitet, anfänglich schnell mit den
Schattenkomplexen jeglicher Thematik in Berührung zu kommen, uns
ist es aber wichtig, dabei nicht stehen zu bleiben.
Im Sinne eines ganzheitlichen Menschenverständnisses arbeiten wir
in der Therapie von Anfang an mit Respekt für alle Bereiche
menschlichen Lebens. Aufgrund dieser Haltung hoffen wir und machen
auch die Erfahrung, dass Frauen sich in ihrem Sosein vollständig
akzeptiert fühlen können und dann vielleicht auch Mut fassen
können, ihre Thematik, an der sie leiden, ihr Problem, ihr Symptom,
ihre Angst, auch erst mal einfach sein zu lassen, zu akzeptieren
als etwas, was zur Zeit zu ihnen gehört, mal mit dem Kämpfen
dagegen aufzuhören oder im auf der Flucht sein einmal
innezuhalten.
Wenn das gelingt, geschieht immer wieder etwas, was die Patientinnen zunächst völlig verblüfft, die durch permanente negative Aufmerksamkeit energetisch auf ein ungeheuer bedrohliches Ausmaß angewachsenen Bereiche scheinen etwas zu schrumpfen. Dann ist Angst einfach einmal Angst, nicht mehr und nicht weniger.
Synthese Psychotherapie – AYURVEDA-Behandlungen
Die ayurvedische Behandlung von Frauen erfolgt durch Frauen, die von Männern wird von männlichen Therapeuten durchgeführt. Auch hier entsteht also auf der Grundlage der alten indischen Wissenschaft vom Leben für Patientinnen ein spezieller Frauenraum.
Ca. 20 Patientinnen aus den Frauentherapiegruppen haben bisher eine Kombinationsbehandlung Ayurveda und Psychotherapie gemacht, und unsere Erfahrungen damit sind ganz überwiegend sehr positiv.
Öffnung durch AYURVED: Auflösung von starren Haltungsstrukturen durch AYURVEDA mit der Möglichkeit, Verbindung zu dem eigenen Selbst wieder herzustellen
Starre Haltungsstrukturen scheinen in ayurvedischen Ölbehandlungen lösbar zu sein und in dieser Losung wird die Verbindung mit dem eigenem Selbst plötzlich wieder möglich, in der Stille kann die eigene innere Stimme wieder gehört werden, die Botschaften der Seele erreichen die Frau wieder, sie fühlt sich mit sich selber wieder in Kontakt. Diese öffnende Wirkung der Therapie wird gelegentlich zunächst durchaus als verwirrend, etwas ängstigend und aufwühlend erlebt. Das therapeutische Gespräch hilft dann, dieses doch starke Veränderungserleben zu verstehen und zu integrieren. Wenn solche Patientinnen nach ca. 2 Wochen ayurvedischer Mitbehandlung diese beenden, ist es wichtig, dass der Übergang in einen auch interaktionell intensiven psychotherapeutischen Prozess gut gelingt, das kann er, wenn ihm einige Zeit gelassen wird und die Patientin mit therapeutischer Unterstützung den Wechsel aus der relativen äußeren Stille und Abgeschiedenheit der Ayurvedabehandlung in die oft lebhafte und zwischenmenschlich intensive Atmosphäre der Psychotherapie in Gruppen sanft gestaltet.
Psychotherapeutische Anamnese und Diagnostik, kombiniert mit ayurvedischer Beratung, Diagnostik und Therapie
Es gibt zwei Wege für die Integration von Psychotherapie
und AYURVEDA
Zwei Zeitpunkte haben sich als besonders günstig für die
Integration von ayurvedischer Behandlung und Psychotherapie
erwiesen.
Kombinierter Behandlungsweg 1: Zu Beginn des stationären
Aufenthaltes
Eine gute Möglichkeit ist relativ zu Beginn des stationären
Aufenthaltes, nach erfolgter psychotherapeutischer Anamnese und
Diagnostik und ayurvedischer Beratung.
Dieser Weg hat sich besonders geeignet gezeigt, für Frauen, die
aus voller beruflicher und familiärer Belastung hier herkommen, die
in vielen Lebensbereichen nach Perfektion streben, möglichst
gleichzeitig gute Mutter, liebevolle Ehefrau und kompetente
berufstätige Frau sein wollen und das nach außen hin oft über lange
Zeiten auch schaffen, sich dabei aber innerlich entleert und
unlebendig fühlen, körperlich oft irgendwie erstarrt, häufig mit
Schmerzsymptome, Frauen, die viel leisten und viele andere Menschen
zufrieden stellen und dabei langsam das Gefühl entwickeln, dass sie
selber in ihrem Leben irgendwie auf der Strecke bleiben. Diese
Frauen für die Pflicht, Leistung, Funktionieren und für andere
sorgen im Leben an erster Stelle stehen, haben es oft nicht leicht,
aus ihrem normalen Alltag in den Klinikalltag zu wechseln und
gleich von der Psychotherapie zu profitieren.
Für solche Frauen ist ein Einstieg in den therapeutischen Prozess
über die Ayurvedabehandlung, natürlich in therapeutischer
Begleitung, oft nicht nur eine große Erleichterung, sondern ein
Segen. Die Atmosphäre liebevoller Zuwendung und Achtsamkeit in der
Ayurveda-Klinik kann von ihnen meist soft als unendlich wohltuend
angenommen werden, ebenso die intensive Erfahrung körperlicher
Zuwendung in den ayurvedischen Behandlungen.
Kombinierter Behandlungsweg 2: Vor dem Ende der
stationären Psychotherapie
Die andere gute Möglichkeit zur zeitlichen Gestaltung der
Therapiekombination ist die ayurvedische Behandlung am Ende der
stationären Psychotherapie. Sie hat sich sehr bewährt für Frauen,
die hierher kommen in einer Situation innerer Hochspannung, die
überflutet werden von ihren Problemen, oft auch in solcher Form,
dass zu Hause schon längerer Zeit nichts mehr richtig gelungen ist,
auch im beruflichen Bereich Arbeitsplatzkonflikte, Krankschreibung,
Kündigungen vorliegen, in der Familie die Frauen ihren Erwartungen
an sich selbst nicht mehr gerecht werden können, etwa darunter
leiden, dass sie das Gefühl haben, ihre Kinder zu vernachlässigen
oder schlecht zu behandeln, die zerquält sind von zerbrochenen
Ehen, gescheiterten Ausbildungen und schwerwiegenden Konflikten mit
ihnen nahestehenden Menschen. Diese Frauen leiden in der Tiefe
ihrer Seele unter schweren Schuld- und Versagensgefühlen, tendieren
zu Selbstbestrafungen und sind oft in der Abwehr von Schuld- und
Versagensgefühlen hochaggressiv nach außen.
Stille, Zuendung, in sich hineinhorchen sind in einer solchen
Situation nahezu unerträglich und müssen eher vermieden werden.
Diese Patientinnen brauchen zunächst dringend
Ausdrucksmöglichkeiten, verwickeln sich quasi zwangsläufig von
Anfang an in Konflikte und brauchen ein dichtes und klares
psychotherapeutisches Setting, dass zugleich Raum und Struktur
bietet. Erst wenn im therapeutischen Prozess nichtschädigende
Ausdrucksmöglichkeiten gefunden worden sind, wenn sich Verständnis
für die eigene Notlage entwickelt hat, wenn von Selbstbestrafung
abgesehen werden kann und neue Bewältigungsmechanismen gefunden
worden sind, kann am Ende stationärer Psychotherapie die
Ayurvedabehandlung hoch integrativ wirken, in Bezug auf den
durchlaufenden psychotherapeutischen Prozess und den Patientinnen
helfen, zu spüren und zu erkennen, dass auch in der Fülle und Weite
Zentrierung möglich ist.
Die Patientinnen können den intensiv reinigenden Aspekt der Pancakarma-Kur meist auch sehr gut auf der symbolischen Ebene nutzen und in dieser abschließenden therapeutischen Phase sich reinigen, von alten negativen Affirmationen, von ehemaligen schädlichen Verhaltensmustern und vor allem von Schuldgefühlen und Selbstabwertung.
Tilla Fischer
Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin und
Rehabilitationswesen
Oberärztin der III. Psychotherapeutischen Abteilung
in der Habichtswald Klinik, Kassel-Bad Wilhelmshöhe
© 2004- Ayurveda-Klinik Kassel | Impressum | Sitemap | Aktualisiert am: 04.11.2010 - Erstellt mit Zeta Producer Desktop CMS
