



Ananda S. Chopra
Der Ayurveda-Bereich der Habichtswald Klinik
besteht nun seit April 1995. Seit Herbst 1995 bin ich hier in
verantwortlicher Funktion ärztlich tätig. Es stellt eine große
Herausforderung dar, in einem nicht indischen Umfeld klinischen
Ayurveda zu betreiben. Im Ayurveda-Bereich der Habichtswald Klinik
praktizieren wir Ayurveda in authentischer Form. Faszinierend ist
der ayurvedische Ansatz, jeden Menschen in seiner einzigartigen
Identität zu erfassen und darauf Diätetik und Therapie
auszurichten. Wir können dabei auf ärztliche Erfahrung aus mehr als
zwei Jahrzehnten zurückgreifen. Ayurveda zeigt uns den
Weg, wie gesunde und kranke Menschen ihr jeweils eigenes
bioenergetisches Gleichgewicht bewahren oder wiederherstellen
können. Eine Imbalance in dieser individuellen bioenergetischen
Konstitution (Prakrti) steht am Beginn jeder Krankheit, deshalb
heißt eine Wiederherstellung des bioenergetischen Gleichgewichts
auch, der Erkrankung den Boden entziehen, auf dem sie gewachsen
ist.
Im Ayurveda-Bereich der Habichtswald Klinik haben wir die
Möglichkeit, spezifische Ölbehandlungen
(sogenanntes Bahya Snehana, wie es insbesondere im Süden Indiens
entwickelt wurde) und Wärmeanwendungen in
eigenen – großzügig gestalteten – Therapieabteilungen
durchführen zu können.
Trotzdem ist es eine besonders interessante Situation,
Ayurveda im klinischen Umfeld einer größeren
Klinik – wie der Habichtswald Klinik – in die Praxis umzusetzen.
Einer der ältesten heute noch bekannten Ayurveda-Autoren, der Weise
Caraka, sagt denn auch: krtsno hi loko buddhimataamacaryah
satruscabuddhimatam, d. h. „für den Klugen ist die ganze Welt ein
Lehrer, für den Dummen ein Feind.“ Diesem Motto gemäß lernen wir
hier täglich hinzu. Nicht so sehr, was die Grundsätze oder
medizinischen Strategien des AYURVEDA angeht, vielmehr in Bezug auf
praktische Umsetzung einer bewährten Therapie. Die in der
Habichtswald Klinik praktizierte Zusammenarbeit von AYURVEDA
und zeitgenössischer sogenannter „Schulmedizin“ sucht ihresgleichen
außerhalb Indiens. Aufgrund des gegenwärtigen Standes der
Erfahrung, ebenso wie aus grundsätzlichen Überlegungen, möchte ich
im folgenden zur Behandlung in der Ayurveda-Klinik Stellung
nehmen:
Die Auseinandersetzung mit der Krebserkrankung wirft für den
Erkrankten oft tiefgreifende Fragen auf, die über die Krankheit
hinaus sein ganzes Sein betreffen. In einer solchen Situation ist
ein ganzheitlich orientierter Therapieansatz von
außerordentlich großer Bedeutung. Aus den Erfahrungen vieler
Jahrhunderte und dem Beitrag vieler Ärztegenerationen hat der
Ayurveda vielfältige Therapien entwickelt, die heutzutage dem
ganzen Menschen zugute kommen. In der Ayurveda-Klinik wenden wir
zum Wohle unserer Patienten diese Therapien in authentischer Form
an. Da die Ayurveda-Klinik Teil der Habichtswald Klinik ist, können
wir zudem auch eine fundierte schulmedizinische Versorgung
gewährleisten.
Bei der Betreuung onkologischer Patienten in der Ayurveda-Klinik
arbeiten wir mit den Kollegen der onkologischen Abteilung
zusammen.
Die ayurvedischen Therapien sind – auch unter Berücksichtigung der
Erfahrungen in Indien – wohl nicht zur ausschließlichen
Erstbehandlung eines manifesten Krebsleidens geeignet. In diesem
Falle bleibt die angemessene Indikationsstellung zur
schulmedizinischen Therapie unverzichtbar.
Wir haben jedoch sehr gute Erfahrungen gemacht bei
der Behandlung von Begleiterscheinungen der Krebserkrankung (z.B.
Tumorkachexie) ebenso wie bei Beschwerden bei und nach der
schulmedizinischen Behandlung (z.B. vegetative Beschwerden im
Rahmen einer Hormontherapie). Die deutlich wahrnehmbare Besserung
des Allgemeinbefindens und der Gemütslage – auch von den
onkologischen Kollegen immer wieder konstatiert – ist ja leider
nicht messbar. Gesundheitsfördernde Maßnahmen und roborierende
Therapieverfahren nehmen im Ayurveda schon traditionell einen
großen Rahmen ein. Wir beobachten schon jetzt eine deutliche
Besserung von Stoffwechselparametern (Blutfette etc.) Diese
Veränderung erreichen wir in vergleichsweise kurzer Zeit (14-21
Tage), ein Phänomen, das wir auch auf die Dichte des ayurvedischen
Therapieverfahrens zurückführen. Wie Sie wissen, werden ja auch an
Wochenenden und Feiertagen Therapien durchgeführt. Seitens der
Patienten ist die wichtigste Voraussetzung Offenheit gegenüber dem
ayurvedischen Heilansatz.
Ich halte es für günstig, wenn eine notwendige schulmedizinische
Behandlung abgeschlossen ist (denkbar wäre aber auch ein
stationärer Aufenthalt während einer Therapiepause, z.B. zwischen
zwei Zyklen von Chemotherapie oder in Zusammenarbeit mit der in
unserer Klinik befindlichen onkologischen Abteilung).
Außerdem finden Sie bei den nachfolgenden Fallbeispielen der Ayurveda-Medizin aus der Klinik
weitere Aussagen über die Wirksamkeit der Ayurveda-Medizin. Hier
sehen Sie, dass Ayurveda auch bei Krankheitsbildern wie
Metabolisches Syndrom, arterielle Hypertonie, u.v.a. überzeugende
Therapieansätze anzubieten hat.
In jedem Falle wird in der Ayurveda-Klinik ein Heilansatz in die
Tat umgesetzt, der für die Behandlung vieler Patienten neue
Möglichkeiten eröffnet.
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