Umweltbelastungen haben in den letzten Jahrzehnten immer mehr
zugenommen. Die Muttermilch ist bereits dermaßen mit Pestiziden und
Dioxinen belastet, dass 2/3 aller Muttermilch nach dem
Lebensmittelrecht nicht verkehrsfähig wären. Eine Vielzahl
unspezifischer, nicht genaufassbarer Symptome werden mit
Umwaltbelastungen wie z. B. Amalgam oder Holzschutzmitteln in
Verbindung gebracht.
Der Umweltbelastete Patient ist aufgrund seiner unklaren, oft
wechselnden Beschwerden, die nicht mit klaren Krankheitsbildern,
auch nicht mit genau definierten Vergiftungssymptomen in Einklang
gebracht werden können, immer im Verdacht, ein Neurotiker oder gar
ein Simulant zu sein. In der konventionellen Medizin, werden solche
Menschen, da keine „organische Ursache“ gefunden werden kann, oft
psychiatrisiert.
Die umweltmedizinische Diagnostik solcher toxischen Belastungen
ist sehr teuer und wird nur von wenigen Ärzten gut beherrscht. Auch
wenn eine Umweltbelastung – meist nach langem Leidensweg des
Patienten - endlich erkannt wird, sind die Behandlungsmöglichkeiten
meist sehr begrenzt. Während bei einigen Belastungen inzwischen
Ausleitungsverfahren zur Verfügung stehen (z. B. Amalgam ?
Sanierung, Heilfasten, Nährstoffe wie Selen, Zink, Cystein, Vitamin
C) sind für die meisten fettlöslichen Toxine keine
Therapiemöglichkeiten bekannt. So gibt etwa der „Leitfaden
Umweltmedizin“ bei PCB-Belastungen unter der Rubrik Therapie an:
“Spezifische Therapieformen sind nicht bekannt.“
Da wir gerade bei umweltbelasteten Patienten innerhalb kurzer
Zeit – zwar kein Verschwinden, jedoch – eine deutliche Besserung
der Symptomatik beobachtet haben und über die Ölmassagen eine
Mobilisierung lipophiler Toxine denkbar ist (aber bisher noch nicht
belegt wurde), haben wir Ölanalysen bei einer Patientin mit
nachgewiesener PCB-Belastung durchführen lassen.
Diese Patientin, Frau O., hatte beim Einzug in ein neues
Eigenheim 1973 Holz im Innenraum mit Holzschutzmitteln behandelt.
In den nächsten Jahren kam es zu Schmierblutungen, Hypoglykämien,
mangelnder Leistungsfähigkeit, starker Müdigkeit und vermehrtem
Haarausfall. Erst 1991 wurde im Blut eine erhebliche PCB-Belastung
diagnostiziert. Mehrere Aufenthalte in naturheilkundlichen Kliniken
führten subjektiv während des Aufenthaltes eher zu einer
Verschlechterung, danach jeweils zu einer leichten, aber nicht lang
anhaltenden Verbesserung. Im Laufe der Jahre gab Frau O. eine
Progredienz all ihrer Beschwerden an. Bei Aufnahme imponierten vor
allem Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Vergesslichkeit und
Allergieneigung.
Blut (1995) Öl vor
Behandlung Öl nach Behandlung
PCB 138 1190
ng/l <0,01 mg/kg
TS* 0,867 mg/kg TS*
PCB 153 1728
ng/l <0,01 mg/kg
TS* 1,835 mg/kg TS*
PCB 180 1549
ng/l <0,01 mg/kg
TS* <0,01 mg/kg TS*
*TS =Trockensubstanz
Bei Frau O. wurde das Öl vor und nach einem Pizzichil (sog.
Königliches Ölbad, mehrstündige Ölmassage) untersucht. Dabei konnte
festgestellt werden, dass immerhin bei zwei der PCB`s, mit denen
Frau O. erheblich belastet war, eine relevante Mobilisierung
erreicht werden konnte.
Klinisch ging es Frau O. am Ende des stationären Aufenthaltes in
der AYURVEDA -Abteilung deutlich besser, sie wirkte strukturierter,
konnte sich besser konzentrieren und war insgesamt
leistungsfähiger. Bei der in der Inneren Abteilung durchgeführten
Thermoregulationsuntersuchung nach Rost fand sich eine
Normalisierung der vorher paradoxen Temperaturregulationen in den
Bereichen Schilddrüse, Uterus/Ovarien und Darm. Es darf erwartet
werden, dass mit regelmäßigen ayurvedischen Ölselbstbehandlungen,
wie sie den Patienten hier beigebracht werden, eine weitere,
kontinuierliche Ausleitung der bisher nicht für therapierbar
gehaltenen PCB-Belastung erzielt werden kann.
Dr. Volker Schmiedel