



Werner Wilhelm Wicker
Eines der größten Vermächtnisse, das die Weisen des Altertums der
Menschheit hinterlassen haben, ist die AYURVEDA-Medizin.
Sie besitzt als ältestes medizinisch-wissenschaftliches System der
Welt auch eine lange Tradition an klinischer Erfahrung.
Die „Väter des AYURVEDA“ haben sich nicht darauf beschränkt,
Krankheiten zu heilen. Schon allein aus dem absolut ganzheitlichen
Verständnis des AYURVEDA ergibt sich, dass hier mit einer
allumfassenden Weisheit und einem allumfassenden Wissen
gearbeitet wird. Ziel des AYURVEDA war von Anbeginn ein langes
(längeres ) Leben verbunden mit Gesundheit auf der körperlichen,
seelischen und geistigen Ebene.
Die ayurvedische Medizin basiert auf einer Grundlage und einer Philosophie, die auf die Eigenschaften der Natur und des Universums eingeht. Sie geht – aufgrund tieferer Erkenntnisse – davon aus, dass der Mikrokosmos (das Individuum) sowie der Makrokosmos (das Universum) in ihrer Zusammensetzung absolut identisch sind. Dieses Verständnis für die größeren Zusammenhänge und für die größere Dimension macht auch die große allumfassende Philosophie des AYURVEDA verständlicher und lässt erahnen, warum die AYURVEDA-Medizin auf alle – ich betone auf alle – Fragen eine Antwort geben kann. Wenn ein Medizinsystem das gesamte Universum und den Kosmos in seiner Vielfältigkeit und in seinen Abstufungen von der gröbsten Materie bis hin zu den feinsten Energien erfasst, dann kann es vor allem auch den Menschen in seinen unterschiedlichen Strukturen bis hin zu seinen individuellen, feinstofflichsten Ebenen und seiner seelischen Daseinsform erfassen. Es kann dann auch den Geist als ständig seiendes Prinzip, als hinter der Materie stehendes, die Materie formendes Prinzip, voll mit einbeziehen.

Die Panchakarma-Therapie – das Herzstück der
ayurvedischen Heilungstherapien überhaupt – die wir in unserer
Klinik anwenden, soll bereits vor 8.000 Jahren entstanden sein.
Diese Therapie ist der zentrale Bestandteil eines einzigartigen
Systems aller Heilungstechniken. Sie wurde dem Vernehmen nach den
frühesten Sehern auf der Erde vermittelt und bleibt das
bedeutendste Bindeglied zur unsterblichen Essenz des menschlichen
Lebens.
Auch der berühmte Ayurveda-Arzt Caraka (1. Jahrhundert v. Chr.) hat
die Reinigungspraktiken des Panchakarma als die
zentrale Achse eingeführt, um die herum sich sämtliche
ayurvedischen Heilungstherapien drehen. Er hat sie als „die eine
unabhängige Hauptdisziplin definiert, die zur Förderung der
Gesundheit angewendet werden soll“.
Die ayurvedische Medizin legt großes Gewicht auf das
Gleichgewicht der drei Doshas (genannt
Vata, Pitta, Kapha, die unsere drei Bioenergien
verkörpern und in denen die energetischen Prinzipien der 5 Elemente
enthalten sind). Dieses Gleichgewicht sollte so weit als möglich
aufrechterhalten werden, obwohl die drei Doshas in einem ständigen
Fluss sind. Mit der Störung dieses Gleichgewichtes beginnt der
Krankheitsprozess.
Das Gleichgewicht der drei Doshas bedeutet aber nicht, dass
dieselben gleich stark sein müssen. Das Gleichgewicht ist dann
gegeben, wenn es unserer angeborenen ganz individuellen
Dosha-Verteilung (Geburtskonstitution, genannt Prakrti)
entspricht.
Prakrti ist Gleichgewicht und bestmögliche
Gesundheit. Vikriti ist Ungleichgewicht und der
Boden für Erkrankungen.
Aufgabe der Ayurveda-Medizin ist es, dieses Ungleichgewicht zu
erkennen und in Richtung Gleichgewicht zurückzuführen.
Nach der Ayurveda-Medizin können Krankheiten durch eine
Verstärkung oder Beeinträchtigung der biologischen Kräfte (d. h.
durch ein bioenergetisches Ungleichgewicht) – materiell gesehen –
durch Vermehrung oder Verringerung der Körpersäfte hervorgerufen
werden. Das Interessante für uns westliche Menschen aber ist, dass
wir die Körpersäfte durch das Bemühen um das Gleichgewicht der drei
Doshas steuern können.
Unser überdecktes Ich, das sich entfalten möchte, stellt unser
absolutes Gleichgewicht dar. In der Regel haben wir keine
Vorstellung davon, wer wir wirklich sind. In der Regel kennen wir
auch nicht den Weg, der uns zu unseren wahren Selbst führt. Er ist
uns durch die bestehenden Ungleichgewichte verborgen, wie der
Himmel, wenn es bewölkt ist. Die Ayurveda-Medizin ist darauf
eingestellt, dem Patienten seine Ausgewogenheit zurückzugeben.
Dabei wird er gleichzeitig in die Erfahrung mit seinem wahren
Selbst- dem eigenen Ich – zugeführt. Es gibt keine
festgeschriebenen Standartverfahren, es zu finden. Das Ziel dahin
erreichen wir auf unserem individuellen Weg, den uns der
Ayurveda-Arzt aufzeigt. Das schöne am Ayurveda ist, dass er den
Menschen heilt, indem er ihn zu seinem wahren Selbst
zurückführt.
Wir stehen hier erst am Anfang einer Zeitepoche, die uns Stück für
Stück an die Quellen eines der großartigsten aller
naturheilkundlichen Medizin-Systeme heranführen wird, die es je auf
dieser Erde gegeben hat. Keine oder nur wenige andere
Gesundheitslehren haben diesen Wissensumfang – gepaart mit
Weisheit – vorzuweisen wie die Ayurveda-Medizin.
Begegnen wir ihr mit der Demut und dem Respekt, den sie verdient.
Je stiller und ernsthafter wir uns damit beschäftigen und darauf
einlassen können, um so mehr können wir dieses großartige
Naturheilverfahren verstehen und von ihm profitieren.
