


Es besteht Einigkeit darüber, dass die Hypertonie zu den
volkswirtschaftlichen bedeutendsten Erkrankungen in westlichen
Industriegesellschaften zählt. Mehr noch als die unmittelbaren
Kosten für Diagnostik und Antihypertensiva schlagen die Kosten der
durch Bluthochdruck mit verursachten Krankheiten (z.B. Herzinfarkt,
Apoplex, AVK der Beine) zu Buche.
Wenn es hier Möglichkeiten gibt, einfach, preiswert und ohne
Nebenwirkungen die Hypertonie effektiv zu behandeln, so ist dies
eine enorme Ersparnis für unser am Rande der finanziellen
Dekompensation stehendes Gesundheitssystem –von der Vermeidung von
Siechtum und Leid bei den betroffenen Patienten ganz
abgesehen.
In zahlreichen Einzelstudien konnte belegt werden, dass
naturheilkundliche Maßnahmen wie Bewegungstherapie, Ernährung oder
Stressbewältigung durchaus in der Lage sind, zu einer vernünftigen
Blutdruckeinstellung beizutragen. Problematisch ist in diesem
Zusammenhang,
Der AYURVEDA bietet hier den großen Vorteil, ein ganzes Bündel an synergistisch wirkenden Maßnahmen bereitzustellen, die in ihrer Ganzheit die oftmals verblüffend raschen und tiefgreifenden Effekte auf die Hypertonie und sogar auf die hierdurch bedingten EKG- Veränderungen zu erklären vermögen. Hat der Patient erst einmal die –auch subjektiv spürbaren- Veränderungen erfahren, besteht eine große Motivation, die entsprechende, nach ayurvedischen Empfehlungen ausgerichtete Lebensweise beizubehalten.
Im folgenden sind einige Fallbeispiele aufgeführt, die für mich als lange Zeit mit Hypertonikern arbeitender Arzt doch sehr verblüffend waren.
Dr. Volker Schmiedel
63-jähriger männlicher Patient
Hauptdiagnosen:
- Arterielle Hypertonie (seit 37 Jahren antihypertensive Therapie)
- Hypercholesterinämie (zuviel Cholesterin im Blut)
- Chronische Periarthropathia humeroscapularis rechts (degenerative Gelenkserkrankung)
Nebendiagnosen:
- Depressive Verstimmung
- Obstipation
- Benigne Prostatahyperplasie (gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse)
Vorgeschichte:
Seit 37 Jahren wird der Patient wegen arterieller Hypertonie medikamentös behandelt. Beide Elternteile litten an Erkrankungen es Herzkreislaufsystems. Der Patient ist zudem seit 27 Jahren in ärztlicher Behandlung wegen Hypercholesterinämie. Eine Nephrolithiasis wurde bereits viermal chirurgisch behandelt. Seit zwei Jahren bestehen Beschwerden im rechten Schultergelenk aufgrund einer Periarthropathia humeroscapularis. In letzter Zeit sei eine Belastungsdyspnoe aufgetreten. Wegen Neigung zu depressiver Verstimmung hatte der Patient zeitweise (1965-1987) Psychopharmaka eingenommen. Seit sieben Jahren ist der Patient Rentner. Zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme nimmt der Patient ein Kombinationspräparat aus einem Calciumantagonisten und einem Beta-Rezeptorenblocker; unter dieser Therapie liegt der Blutdruck bei Werten zwischen 150/85 und 170/100 mmHg.
Bei Aufnahe sehen wir einen adipösen (Körpergröße: 168 cm.
Körpergewicht: 95 kg, BMI: 33,7 kg/m²) Patienten mit Druckschmerz
im Bereich des rechten Schultergelenks. Der Blutdruck liegt bei
160/90 mmHg.
Therapie und Verlauf:
Aus ayurvedischer Sicht besteht bei dem Patienten eine
Pitta-Aggravation auf dem Boden einer Kapha-Pitta Konstitution
(Prakrti). Eine altersentsprechende Vàta-Erhöhung verstärkt das
Dosha-Ungleichgewicht. Auf der Grundlage des Pancakarma-Konzepts
wird ein Therapieverfahren durchgeführt, das im einzelnen folgende
Elemente enthält:
I. „Mobilisierende Maßnahmen“ (Pùrvakarma):
Snehana („Therapie mit Ölen und Fetten“), dieses
hat zwei Aspekte:
A. Àbhyantara Snehana (Innerliches Fetten“) hierzu gehört das
Snehapána, das ist die Einnahme eines speziell aufbereiteten
Butterfetts.
B. Bàhya Snehana: Spezifische äußerliche Anwendungen mit Ölen und
Fetten. Öle und Fette werden dabei speziell auf den einzelnen
Patienten abgestimmt. Ebenso Art, Dauer und Intensität der
Anwendung.
Svedana („Schwitztherapie“): Dies umfasst
spezielle Wärmeanwendungen für einzelne Körperteile (in diesem Fall
für den Bereich des rechten Schultergelenks) wie für den ganzen
Körper.
II. „Hauptmaßnahmen“ (Pradhànakarma):
Virecana, Abführtherapie.
Bastikarma, speziell zusammengestellte Enemata zur
Therapie über die Darmschleimhaut.
Nasya, spezielle Behandlung für den
Kopf-Hals-Bereich.
Raktamoksana, ayurvedischer Aderlass.
Der Patient blieb insgesamt 45 Tage. Das Heilverfahren sah zeitlich
gerafft folgendermaßen aus:
Tag 1:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche
Fettbehandlung)
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)
Tag 2-4:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Tag 6:
Virecana, Abführtherapie
Tag 7-9:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Tag 10-17:
Bastikarma, speziell
zusammengestellte Enemata
Tag 18-19:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Tag 20:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Svedana („Schwitztherapie“)
Tag 21-23:
Nasya (Ausleitende
Inhalationsbehandlung)
Tag 24-41:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Svedana („Schwitztherapie“)
Tag 42:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Tag 43:
Raktamoksana (Ayurvedischer
Aderlass)
Tag 44-45:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Svedana („Schwitztherapie“)
Über den ganzen Zeitraum wurde die Kost speziell nach ayurvedischen
Gesichtspunkten zusammengestellt.
Unter dieser Behandlung konnten wir die antihypertensive Medikation
zunächst zweimal halbieren (am 9. Behandlungstag dann wiederum am
30. Behandlungstag) und schließlich am 38. Behandlungstag
vollständig absetzen. Bei Entlassung wies der Patient
Blutdruckwerte von 135/85 mmHg auf. Eine 24-stündige
Blutdruckmessung –nach Beendigung der antihypertensiven Therapie –
ergab einen altersentsprechenden Normalbefund mit erhaltener
circadianer Rhythmik. Im Verlauf der 45-tägigen Behandlung nahm der
Patient 15 kg Körpergewicht ab. Im EKG bei Aufnahme beobachtete
Erregungsrückbildungsstörungen haben sich im Verlauf gut
zurückgebildet. Die Schmerzsymptomatik im Schulterbereich tritt nur
noch selten auf. Subjektiv weist der Patient eine positive
Grundstimmung auf, ganz im Gegensatz zur depressiven Verstimmung
bei Aufnahme.
Ananda S. Chopra
57-jährige Patientin
Diagnosen:
- Arterielle Hypertonie
- Pochender Kopfschmerz linksparietal
- Hysterektomie bei Portiocarcinom 1973
Vorgeschichte:
Seit Jahren leidet die Patientin an arterieller
Hypertonie. Einige Zeit hatte sie in den Vereinigten Staaten gelebt
und war dort konsequent medikamentös behandelt worden. Die
verordneten Medikamente habe sie –wegen starker Nebenwirkungen
(starke Müdigkeit und Inappetenz)- abgesetzt. In der Vorgeschichte
ist außerdem eine Migräne bekannt, die seit 15 Jahren nicht mehr
aufgetreten ist, einige Tage vor stationärer Aufnahme trat ein
linksparietaler Kopfschmerz auf. Allgemein ist die Patientin
schnell erschöpft.
Die Patientin, die jetzt in der Schweiz lebt, kommt aus eigener
Initiative für einen vierzehntägigen Aufenthalt. Bei Aufnahme weist
die normalgewichtige Patientin (Körpergröße: 168 cm, Körpergewicht:
58,7 kg, BMI: 20,8 kg/m²) einen Blutdruck von 190/100 mmHg auf
sowie einen verbreiterten und hebenden Herzspitzenstoß (als
Ausdruck eines verstärkten linksventrikulären Impulses). Im EKG
zeigen sich in den Brustwandableitungen V5 und V6 über
dem linken Herzen und in Ableitung I, II, III und an aVF
Erregungsrückbildungsstörungen mit präterminal negativen
T-Wellen.
Therapie und Verlauf:
Aus ayurvedischer Sicht hat die Patientin eine
Pitta-Vàta Konstitution (Prakrti) mit Vàta-Aggravation. Diese
Vàta-Aggravation äußert sich sowohl in Kopfschmerzen
(ayurvedisch: Siroroga) als auch in einer stark sympathikotonen
Dysregulation der cardialen Funktion (ayurvedisch: Hydroga). Auf
der Grundlage des Pancakarma-Konzepts wird ein kurzzeitiges
Heilverfahren eingeleitet. Der Blutdruck ist in den ersten Tagen
anhaltend hoch (am zweiten Tag z. B. 190/100, dann 180/95 u. ä.),
eine schulmedizinische pharmakologische Therapie – wie von dem
mitbetreuenden Internisten empfohlen – wird von der Patientin
abgelehnt.
Das Therapieverfahren enthält im einzelnen folgende Elemente:
I. „Mobilisierende Maßnahmen“ (Pùrvakarma):
Snehana („Therapie mit Ölen und Fetten“), hierzu gehören äußerliche Anwendungen mit speziellen Ölen und Fetten ebenso wie Snehapána, das ist die Einnahme eines speziell aufbereiteten Butterfetts.
II. „Hauptmaßnahmen“ (Pradhànakarma):
Virecana, Abführtherapie.
Bastikarma, speziell zusammengestellte Enemata zur Therapie über die Darmschleimhaut.
Zu diesen „Hauptmaßnahmen“ hinzu werden noch spezielle äußerliche Ölbehandlungen gegeben, in diesem Fall insbesondere Sirodhàrà (vegetativ ausgleichender Stirnölguss) und Pàdàbhyanga (ayurvedische Fußmassage) über mehrere Tage im Wechsel.
Grundlage des ayurvedischen Vorgehens ist größtmögliche
Berücksichtigung der Individualität. So werden die Öle und Fette
für innerliche und äußerliche Therapie speziell auf den einzelnen
Patienten abgestimmt. Der Therapieverlauf gestaltet sich
folgendermaßen:
Tag 1:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Tag 2-4:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche
Fettbehandlung)
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)
Tag 5:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Sirodhàrà (vegetativ ausgleichender Stirnölguss)
Tag 6:
Virecana, Abführtherapie
Tag 7-8:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Tag 9:
Pàdàbhyanga (ayurvedische Fußmassage)
Bastikarma, speziell zusammengestellte Enemata
Tag 10:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Sirodhàrà (vegetativ ausgleichender Stirnölguss)
Bastikarma, speziell zusammengestellte Enemata
Tag 11:
Pàdàbhyanga (ayurvedische
Fußmassage)
Bastikarma, speziell zusammengestellte Enemata
Tag 12:
Sirodhàrà (vegetativ ausgleichender
Stirnölguss)
Bastikarma, speziell zusammengestellte Enemata
Tag 13:
Pàdàbhyanga (ayurvedische
Fußmassage)
Tag 14:
Sirodhàrà (vegetativ ausgleichender
Stirnölguss)
Tag 15:
Pàdàbhyanga (ayurvedische
Fußmassage)
Über den ganzen Zeitraum wird die Kost je nach Phase des
Heilverfahrens speziell zusammengesetzt. Die Kopfschmerzen treten
nach dem Virecana-Tag nicht mehr auf. Der Blutdruck sinkt nur
langsam auf 150/90 mmHg am Abreisetag. Subjektiv fühlt sich die
Patientin wesentlich belastbarer als in den letzten Jahren.
Klinisch hat sich der Herzspitzenstoß normalisiert, was wir als
Zeichen einer Normalisierung der stark sympathikotonen
Dysregulation des Herzens werten. In der EKG-Kontrolle (ebenfalls
am Abreisetag) zeigt sich eine unerwartet deutliche Rückbildung der
präterminal negativen T-Wellen mit inzwischen wieder konkordanten
T-Wellen. Die starke Vàta-Aggravation konnte aus ayurvedischer
Sicht in kurzer Zeit normalisiert werden.
Ananda S. Chopra – leitender Arzt der Ayurveda-Medizin Habichtswald
Klinik AYURVEDA
