Patient: Frau Franziska G. aus L.
Franziska G. aus L. befand sich Anfang 1997 für 6 Wochen in stationärer
psychotherapeutischer Behandlung in der Habichtswald Klinik. Während der zweiten
Hälfte des stationären Aufenthaltes wurde sie über 3 Wochen auch ayurvedisch
behandelt.
Diagnosen: Psycho-vegetatives
Syndrom.
HWS-Syndrom.
Migräne.
Frau G. war bei Aufnahme 45 Jahre alt. Sie arbeitet seit 1985 selbständig in
eigener Praxis als Heilpraktikerin, Homöopathin und Psychotherapeutin. Frau G.
ist seit 1991 geschieden, hat einen 16-jährigen Sohn, der bei ihr lebt, keine
Partnerschaft.
Aktuelle Situation und Symptomatik:
Zum Aufnahmegespräch erschien eine schlanke, gepflegte, attraktive, müde und
erschöpft wirkende Frau, in gedrückter Stimmung. Frau G. berichtete, sie habe
eigentlich immer in ihrem Leben fleißig gearbeitet, seit ihrer Scheidung 1991
aber ihr Arbeitspensum noch einmal deutlich erhöht. Sie sei beruflich
erfolgreich, leide aber in den letzten Jahren zwei bis dreimal wöchentlich und
besonders auch an den Wochenenden an schweren Migräneanfällen. Der Schmerz sei
sehr intensiv, sie nehme dann – allerdings ohne Erfolg – viele Medikamente,
fühle sich verzweifelt und „wie ein Wrack“. Meistens wacht sie morgens mit
pulsierenden Kopfschmerzen auf, kann dann nicht mehr liegen. Die Kopfschmerzen
treten halbseitig auf, die Seite wechsle, verbunden damit sei eine starke Licht-
und Geräuschempfindlichkeit. Über den Vormittag und Mittag nehmen die
Kopfschmerzen zu und lassen erst nachmittags nach. Im Anschluss an einen
Migräneanfall fühle sie sich erschöpft, ausgelaugt und müde und brauche einen
halben bis zu einem ganzen Tag, bis sie wieder einsatzfähig sei.
In den letzten Jahren sei ausgiebige neurologische Diagnostik gemacht worden,
die Migränediagnostik sei per EEG bestätigt worden. Alle klassischen
schulmedizinischen Behandlungen habe sie – weitgehend erfolglos – probiert,
ebenso ohne Erfolg homöopathische und verschiedene naturheilkundliche
Therapien.
Inzwischen habe sie Angst vor dem Schmerz, gerate dadurch in
zunehmende Spannungen und habe ein HWS-Syndrom mit Spannungskopfschmerzen, die
sie von der Migräne aber deutlich unterscheiden könne, entwickelt. Sie komme
hierher, weil sie sich von einer kombinierten Behandlung mit
psychotherapeutischen Gesprächen, Entspannungsverfahren und Ayurveda, eine Hilfe
verspreche in Bezug auf Linderung ihrer Kopfschmerzen und Verständnis der
Schmerzsymptomatik im Kontext ihrer Lebensgeschichte.
Vormedikation:
Niacinamid 2 Kaps. Tgl.
Bei Bedarf Paracetamol
Tabl.
Familienanamnese:
Durchschlafstörungen, sonst unauffällig.
Der körperliche Befund war bis auf deutliche Muskelverspannungen
paravertebral sowie im Schulter-Nacken-Bereich, ebenso die Laborparameter.
Genese und Psychodynamik:
Frau G. wuchs als Älteste von 4 Kindern
in einem großen Geschäftshaushalt auf. Die Eltern hatten eine Weinkelterei und
mussten sehr viel arbeiten. Die Kinder seien von wechselnden Kindermädchen
versorgt worden. Frau G. habe sich in ihrer Kindheit sehr einsam gefühlt, die
Erziehung sei streng katholisch gewesen. In langen Zwiegesprächen mit dem Lieben
Gott habe sie versucht, ihre Einsamkeit zu überwinden. Sie habe mit der Mutter,
die oft krank gewesen sei und sehr viel arbeiten musste, Mitleid gehabt. Sie sei
hauptsächlich für die Kindererziehung zuständig gewesen, den Vater erlebte Frau
G. als einen sehr sensiblen und stillen Menschen, der in seinem Weinkeller
Gedichte schrieb. Mit ihm habe sie seltene, gute Gespräche geführt.
Nach der Mittleren Reife absolvierte Frau G. ein soziales Jahr in einem
Kloster. Im Alter von 24 Jahren habe sie ihren späteren Ehemann kennengelernt,
mit dem sie 5 Jahre auf einer spanischen Insel gelebt habe. Zurückgekehrt seien
sie gemeinsam als sie schwanger geworden war.
Frau G. arbeitete mit im Büro ihres Mannes, der sich als KFZ -Händler
selbständig machte, fühlte sich in der Ehe, die sie in der Hoffnung auf
Lebensfreude eingegangen war, aber zunehmend privat wie auch beruflich nicht
ausgefüllt, weswegen sie nebenbei die Ausbildung zur Heilpraktikerin und
Homöopathin machte. Nach der Trennung von ihrem Mann 1991 machte sie sich mit
der eigenen Praxis selbständig und ist hier auch erfolgreich, konnte aber in
letzter Zeit wegen erheblicher Beschwerden durch die Migräne ihre Praxis nicht
mehr führen.
Als älteste Tochter einer kränklichen, arbeitsüberlasteten Mutter und eines
etwas weltfremden und schöngeistigen Vaters, lernte Frau G. sehr frühzeitig,
eigene kindliche Wünsche und Bedürfnisse zurückzustellen und Verantwortung in
der Geschwisterbetreuung und der Entlastung der Mutter zu
übernehmen.
Katholisch erzogen, richtete sie bereits als kleines Mädchen ihre
Sehnsucht auf Gott aus und suchte bei ihm Trost in ihrer Einsamkeit, während sie
nach außen hin funktionierte und frühre Selbständigkeit
entwickelte.
Spiritualität und die Suche nach Gott blieben auch in ihrem
weiteren Leben ein wichtiges Thema, eng damit verbunden waren immer durch ihren
ursprünglichen katholischen Glauben geprägte Moralvorstellungen, aus denen
Konflikte zwischen vitalen Wünschen in Liebesbeziehungen und später in ihrer Ehe
und dagegenstehende Über-Ich-Ansprüche gespeist wurden. So wurde die aus
der Sehnsucht nach Vitalität, Lebensfreude und Abenteuer geschlossene Ehe nach
einigen guten Anfangsjahren im Erleben der Patientin zunehmend hohl und
enttäuschend. Auf der Suche nach Lebenssinn und innerer Erfüllung fand Frau G.
in der Ausbildung und später auch in der Ausübung des Heilpraktikerinnenberufs
für sich ein sehr befriedigendes Arbeitsfeld und konnte über Jahre quasi ihre
gesamte Lebensenergie in diesen Bereich fließen lassen, allerdings um den Preis
der oben geschilderten, im Laufe der Zeit zunehmenden Schmerzsymptomatik.
In
dem Komplex viel Arbeit und viel Schmerz wiederholt Frau G. ein Stück weit die
Lebensthematik ihrer Mutter, mit der sie sich frühzeitig identifiziert
hatte.
Behandlungsverlauf:
Wir behandeln Frau G. zunächst mit
tiefenpsychologisch fundierten Einzelgesprächen, Tiefenatmung (Einzeln),
Fußreflexzonenmassagen und Dauerliegeduschen.
Die Ayurveda -Behandlung war von Anfang an eingeplant. Wir gingen davon aus,
dass zunächst eine Zeit des Ankommens und in den therapeutischen Kontakt
findens, sinnvoll wäre. Frau G. war anfänglich in einem tief erschöpften
Zustand, dabei gleichzeitig im Zusammenhang mit häufigen Migräneanfällen
innerlich hoch gespannt und aggressiv gereizt. Auch die Umstellung von ihrer
vertrauten Therapeutinnenrolle auf die Patientinnenrolle war zunächst schwierig.
Die Situation der „Ältesten“, die so sehr daran gewöhnt ist, sich
zusammenzunehmen und zu funktionieren, dass es auch schwer ist, ein
entspannendes, empatisches Angebot anzunehmen und sich dem anzuvertrauen, wurde
schnell deutlich und konnte besprochen werden. Danach konnte sich Frau G.
zunehmend entspannen und sich in den Atemsitzungen und unter der Dauerbrause
schmerzhaften Gefühlen von Einsamkeit, Anspannung und Überforderung und vielen
Tränen überlassen.
Anschließend an diese erste therapeutische Phase tauchten in der Tiefenatmung
und auch in nächtlichen Träumen sadomasochistisch getönte sexuelle Phantasien
auf, die Frau G. in Einzelgesprächen unter der Überwindung massiver Scham und
durch die Religion geprägter Schuldgefühle thematisierte.
Bevor es möglich war, sich mit den eigentlichen Inhalten dieser Phantasien
auseinanderzusetzen, konnte die Scham- und Schuldthematik und der hohe ethische
moralische Anspruch, den Frau G. an sich selber hat, beleuchtet werden. In
diesem Zusammenhang tauchte in bezug auf die Migräne die Formulierung auf „der
Heiligenschein drückt“. Diese Einsicht schaffte der Patientin eine deutliche
Symptomentlastung, die vertieft werden konnte durch die Auseinandersetzung mit
den Inhalten der sexuellen Phantasien, die die Patientin mit viel Enttäuschung
und Wut in Bezug auf den Vater in Verbindung bringen konnte und mit abgewehrten
eigenen Wünschen und Sehnsüchten im Bereich der Sexualität. Zu diesem Zeitpunkt
des psychotherapeutischen Behandlungsverlaufs war auch die ayurvedische
Panchakarma-Kur angelaufen.
Aus ayurvedischer Sicht liegt bei der Patientin
eine Pitta-Vata-Konstitution vor. Die Migräneanfälle mit der entsprechenden
Tagesrhythmik sowie der spezifischen Symptomatik werden als Zeichen für ein
erhöhtes Pitta gewertet. Bei jeder Art von bioenergetischem Ungleichgewicht ist
das Vata als primäres Agens movens immer mitbeteiligt. Aus dieser Erkenntnis
heraus wird ein spezielles Therapieprogramm geplant, das zeitlich gerafft
folgendermaßen aussieht:
Tag 1:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung), speziell: Sirodhara (Stirnölguss)
Tag
2:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche Fettbehandlung)
Tag
3:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche Fettbehandlung)
Sirodhara
(Stirnölguss)
Tag 4:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche
Fettbehandlung)
Tag 5:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche
Fettbehandlung)
Sirodhara (Stirnölguss)
Tag 6:
Svedana
(Schwitzen)
Sirodhara (Stirnölguss)
Tag 7:
Virecana,
Abführtherapie
Tag 8:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung), speziell: Sirodhara (Stirnölguss)
Tag
9-10:
-
Tag 11-13:
Basti (Enemata)
Tag
14:
Svedana (Schwitzen)
Sirodhara (Stirnölguss)
Basti
(Enemata)
Tag 17-19:
Nasya (ausleitende
Inhalationsbehandlung)
Tag 20:
-
Tag
21:
Svedana (Schwitzen)
Sirodhara (Stirnölguss)
Tag 22:
Sirodhara (Stirnölguss)
Basti (Enemata)
Frau G.
konnte sich jetzt auf alle ihre verordneten Therapien mit Leichtigkeit
einlassen, und es war ihr von Woche zu Woche deutliche anzusehen, dass ihre
Energien wieder im Fluss waren: Ihre Züge waren gelockert und entspannt und der
bei Aufnahme auffällige Zug von Verhärmtheit war verschwunden. Mit ihrer
wiedergewonnenen Ausstrahlung war Frau G. auch willens und in der Lage mehr mit
Mitpatienten in Kontakt zu gehen, was sie während der ersten Wochen des
Aufenthaltes fast völlig vermieden hatte. Im Folgenden war es in Ansätzen
möglich, die Leistungsthematik zu reflektieren, speziell auch im Hinblick auf
konkrete berufliche Planung für die nahe Zukunft.
Nach 6 Behandlungswochen
konnte Frau G. in erfreulich verbessertem psycho-physischem Zustand entlassen
werden. Häufigkeit und Schwere der Migräneanfälle waren deutlich zurückgegangen,
und in Verbindung damit konnte der vor Aufnahme massive Schmerzmittelgebrauch
drastisch reduziert werden. Die parallel zur Migräne bestehenden
Spannungskopfschmerzen traten hier nach den ersten 3 Wochen Behandlung nicht
mehr auf, die muskulären Verspannungen im Nacken und oberen Rückenbereich hatten
sich deutlich gelockert. Die zuvor bestehende ängstliche Anspannung vor dem
nächsten Migräneanfall war einer gelasseneren und optimistischen Haltung
gewichen. Die Patientin war interessiert und motiviert, die hier deutlich
gewordenen thematischen Schwerpunkte in einer ambulanten Psychotherapie zu Hause
weiter zu vertiefen.
Erfahrungen mit Kombinationsbehandlungen bei Frauen
Nach unserer Erfahrung haben sich 4 Hauptbeweggründe herauskristallisiert,
die Frauen veranlassen, sich für eine Frauentherapiegruppe zu entscheiden:
- Frauen, die traumatisiert sind durch Gewalterfahrungen, wobei es sich oft,
aber nicht immer um sexuelle Traumatisierungen durch wichtige
Beziehungspersonen handelt. Diese Gewalterfahrungen können frisch sein, liegen
oft aber auch lange zurück. Und beeinträchtigen das Leben dieser Frauen dann
indirekt durch unterschiedlichste psychische und körperliche Symptome.
- Frauen, die an einer Selbstwertproblematik leiden, die von ihnen als
frauenspezifisch eingeschätzt wird, so z.B. wenn sie infolge Krankheit mit dem
Verlust weiblicher Organe oder mit Funktionsverlusten konfrontiert sind und
deren Folgen zu tragen haben, oder auch, wenn Frauen meinen,
gesellschaftlichen Weiblichkeitsklischees nicht oder nicht mehr zu
entsprechen.
- In ihrer sexuellen Identität unsichere Frauen, die zur Auseinandersetzung
mit ihrer jeweiligen Problematik einen geschützten weiblichen Raum
suchen.
- Frauen, die die Symptomatik, unter der sie leiden, im weiteren Sinne in
Zusammenhang bringen mit Weiblichkeit und deren Entwicklungsmöglichkeiten bzw.
von ihnen erlebter Beschränkung ihrer Entwicklungsmöglichkeit.
Die stationäre Psychotherapie ist meist eingebettet in ambulante Therapie,
die vorher bestand und nach Entlassung aus der stationären Psychotherapie
weitergeführt wird. So nimmt die stationäre Behandlung im therapeutischen
Gesamtprozess einen gewissen, oft wichtigen Platz ein. Zugleich sollte sie eine
abgerundete und in sich geschlossene Sache sein, sich aber auch in das Gesamt
des Therapieprozesses einordnen. Wir sind uns auch bewusst, dass wir Menschen
auf ihrem Lebensweg zeitlich betrachtet meist nur ein ganz kleines Stück weit
begleiten können. Wir erleben in der Arbeit aber oft, dass Patienten die
stationäre Psychotherapie an wichtigen Schnittpunkten und Kreuzungen auf ihrem
Weg aufsuchen und dass es an diesen wichtigen Schnittstellen dann bei relativ
geringer zeitlicher Quantität um so mehr auf ausgezeichnete Qualität in der
Therapie ankommt.
In spezifisch weiblichen Psychotherapieräumen und in der Begegnung von Frauen
tauchen immer wieder bestimmte Themenkomplexe auf und kommen in den Vordergrund:
Das Mütterliche, das Schwesterliche, die Frage nach weiblichen Traditionen,
Kraftquellen, Zufluchtsorten, nach weiblicher Lust und „last but not least“ nach
weiblichen Werten.
Alle diese Themen haben Licht- und Schattenseiten. So
verbindet sich z.B. mit dem Mütterlichen auf der einen Seite alle früher
gemachten Erfahrungen von nicht gewollt sein, nicht richtig sein, von weiblicher
Minderwertigkeit, die von Frau zu Tochter weitergegeben wird, alle Enttäuschung
und aller Zorn über eine frustrierende, versagende, strafende Mutter. Auf der
anderen Seite steht dem entgegen, was oft erst im Laufe der Therapien
wiedergefunden wird: Alle Erinnerung an Wärme, liebevolles Getragen- und
Gehaltensein, Gepflegt-, Erwünscht- und Geschütztsein, alle Erfahrung in der
Beziehung, die bedeutet: „So wie du bist, bist du richtig und wunderbar“, alle
Erfahrung und Entfaltung von eigener Mütterlichkeit, die wirkt in der Beziehung
der Frau zu sich selbst und in den Beziehungen zu anderen.
Patientinnen, die zu uns kommen, fühlen sich meist ganz überwiegend verbunden
mit der scheinbar negativeren oder Schattenseite dieser Themen. Sie leiden daran
und tun oft alles, um diese Schattenseiten zu bekämpfen, niederzuhalten,
loszuwerden oder vor ihnen zu fliehen. Genau durch dieses Bemühen wird den
Schattenthemen permanent Energie zugeführt und je mehr Frauen auf der Flucht vor
oder im Kampf mit den Schattenkomplexen sind, um so größer, machtvoller und
quälender erscheinen diese in der Psychotherapie in guter Tradition da
anfangend, wo die Patientin steht, sind wir hier darauf vorbereitet, anfänglich
schnell mit den Schattenkomplexen jeglicher Thematik in Berührung zu kommen, uns
ist es aber wichtig, dabei nicht stehen zu bleiben.
Im Sinne eines
ganzheitlichen Menschenverständnisses arbeiten wir in der Therapie von Anfang an
mit Respekt für alle Bereiche menschlichen Lebens. Aufgrund dieser Haltung
hoffen wir und machen auch die Erfahrung, dass Frauen sich in ihrem Sosein
vollständig akzeptiert fühlen können und dann vielleicht auch Mut fassen können,
ihre Thematik, an der sie leiden, ihr Problem, ihr Symptom, ihre Angst, auch
erst mal einfach sein zu lassen, zu akzeptieren als etwas, was zur Zeit zu ihnen
gehört, mal mit dem Kämpfen dagegen aufzuhören oder im auf der Flucht sein
einmal innezuhalten.
Wenn das gelingt, geschieht immer wieder etwas, was die Patientinnen zunächst
völlig verblüfft, die durch permanente negative Aufmerksamkeit energetisch auf
ein ungeheuer bedrohliches Ausmaß angewachsenen Bereiche scheinen etwas zu
schrumpfen. Dann ist Angst einfach einmal Angst, nicht mehr und nicht
weniger.
Synthese Psychotherapie – AYURVEDA-Behandlungen
Die ayurvedische Behandlung von Frauen erfolgt durch Frauen, die von Männern
wird von männlichen Therapeuten durchgeführt. Auch hier entsteht also auf der
Grundlage der alten indischen Wissenschaft vom Leben für Patientinnen ein
spezieller Frauenraum.
Ca. 20 Patientinnen aus den Frauentherapiegruppen haben bisher eine
Kombinationsbehandlung Ayurveda und Psychotherapie gemacht, und unsere
Erfahrungen damit sind ganz überwiegend sehr positiv.
Öffnung durch AYURVED: Auflösung von starren Haltungsstrukturen durch
AYURVEDA mit der Möglichkeit, Verbindung zu dem eigenen Selbst wieder
herzustellen
Starre Haltungsstrukturen scheinen in ayurvedischen Ölbehandlungen lösbar zu
sein und in dieser Losung wird die Verbindung mit dem eigenem Selbst plötzlich
wieder möglich, in der Stille kann die eigene innere Stimme wieder gehört
werden, die Botschaften der Seele erreichen die Frau wieder, sie fühlt sich mit
sich selber wieder in Kontakt. Diese öffnende Wirkung der Therapie wird
gelegentlich zunächst durchaus als verwirrend, etwas ängstigend und aufwühlend
erlebt. Das therapeutische Gespräch hilft dann, dieses doch starke
Veränderungserleben zu verstehen und zu integrieren. Wenn solche Patientinnen
nach ca. 2 Wochen ayurvedischer Mitbehandlung diese beenden, ist es wichtig,
dass der Übergang in einen auch interaktionell intensiven psychotherapeutischen
Prozess gut gelingt, das kann er, wenn ihm einige Zeit gelassen wird und die
Patientin mit therapeutischer Unterstützung den Wechsel aus der relativen
äußeren Stille und Abgeschiedenheit der Ayurvedabehandlung in die oft lebhafte
und zwischenmenschlich intensive Atmosphäre der Psychotherapie in Gruppen sanft
gestaltet.
Psychotherapeutische Anamnese und Diagnostik, kombiniert mit ayurvedischer
Beratung, Diagnostik und Therapie
Es gibt zwei Wege für die Integration von Psychotherapie und
AYURVEDA
Zwei Zeitpunkte haben sich als besonders günstig für die
Integration von ayurvedischer Behandlung und Psychotherapie erwiesen.
Kombinierter Behandlungsweg 1: Zu Beginn des stationären
Aufenthaltes
Eine gute Möglichkeit ist relativ zu Beginn des stationären
Aufenthaltes, nach erfolgter psychotherapeutischer Anamnese und Diagnostik und
ayurvedischer Beratung.
Dieser Weg hat sich besonders geeignet gezeigt, für Frauen, die aus voller
beruflicher und familiärer Belastung hier herkommen, die in vielen
Lebensbereichen nach Perfektion streben, möglichst gleichzeitig gute Mutter,
liebevolle Ehefrau und kompetente berufstätige Frau sein wollen und das nach
außen hin oft über lange Zeiten auch schaffen, sich dabei aber innerlich
entleert und unlebendig fühlen, körperlich oft irgendwie erstarrt, häufig mit
Schmerzsymptome, Frauen, die viel leisten und viele andere Menschen zufrieden
stellen und dabei langsam das Gefühl entwickeln, dass sie selber in ihrem Leben
irgendwie auf der Strecke bleiben. Diese Frauen für die Pflicht, Leistung,
Funktionieren und für andere sorgen im Leben an erster Stelle stehen, haben es
oft nicht leicht, aus ihrem normalen Alltag in den Klinikalltag zu wechseln und
gleich von der Psychotherapie zu profitieren.
Für solche Frauen ist ein
Einstieg in den therapeutischen Prozess über die Ayurvedabehandlung, natürlich
in therapeutischer Begleitung, oft nicht nur eine große Erleichterung, sondern
ein Segen. Die Atmosphäre liebevoller Zuwendung und Achtsamkeit in der
Ayurveda-Klinik kann von ihnen meist soft als unendlich wohltuend angenommen
werden, ebenso die intensive Erfahrung körperlicher Zuwendung in den
ayurvedischen Behandlungen.
Kombinierter Behandlungsweg 2: Vor dem Ende der stationären
Psychotherapie
Die andere gute Möglichkeit zur zeitlichen Gestaltung der
Therapiekombination ist die ayurvedische Behandlung am Ende der stationären
Psychotherapie. Sie hat sich sehr bewährt für Frauen, die hierher kommen in
einer Situation innerer Hochspannung, die überflutet werden von ihren Problemen,
oft auch in solcher Form, dass zu Hause schon längerer Zeit nichts mehr richtig
gelungen ist, auch im beruflichen Bereich Arbeitsplatzkonflikte,
Krankschreibung, Kündigungen vorliegen, in der Familie die Frauen ihren
Erwartungen an sich selbst nicht mehr gerecht werden können, etwa darunter
leiden, dass sie das Gefühl haben, ihre Kinder zu vernachlässigen oder schlecht
zu behandeln, die zerquält sind von zerbrochenen Ehen, gescheiterten
Ausbildungen und schwerwiegenden Konflikten mit ihnen nahestehenden Menschen.
Diese Frauen leiden in der Tiefe ihrer Seele unter schweren Schuld- und
Versagensgefühlen, tendieren zu Selbstbestrafungen und sind oft in der Abwehr
von Schuld- und Versagensgefühlen hochaggressiv nach außen.
Stille, Zuendung,
in sich hineinhorchen sind in einer solchen Situation nahezu unerträglich und
müssen eher vermieden werden. Diese Patientinnen brauchen zunächst dringend
Ausdrucksmöglichkeiten, verwickeln sich quasi zwangsläufig von Anfang an in
Konflikte und brauchen ein dichtes und klares psychotherapeutisches Setting,
dass zugleich Raum und Struktur bietet. Erst wenn im therapeutischen Prozess
nichtschädigende Ausdrucksmöglichkeiten gefunden worden sind, wenn sich
Verständnis für die eigene Notlage entwickelt hat, wenn von Selbstbestrafung
abgesehen werden kann und neue Bewältigungsmechanismen gefunden worden sind,
kann am Ende stationärer Psychotherapie die Ayurvedabehandlung hoch integrativ
wirken, in Bezug auf den durchlaufenden psychotherapeutischen Prozess und den
Patientinnen helfen, zu spüren und zu erkennen, dass auch in der Fülle und Weite
Zentrierung möglich ist.
Die Patientinnen können den intensiv reinigenden Aspekt der Pancakarma-Kur
meist auch sehr gut auf der symbolischen Ebene nutzen und in dieser
abschließenden therapeutischen Phase sich reinigen, von alten negativen
Affirmationen, von ehemaligen schädlichen Verhaltensmustern und vor allem von
Schuldgefühlen und Selbstabwertung.
Tilla Fischer
Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin und
Rehabilitationswesen
Oberärztin der III. Psychotherapeutischen
Abteilung
in der Habichtswald Klinik, Kassel-Bad
Wilhelmshöhe