Maike Schote
In diesem Beitrag wird die Bedeutung der Ernährung im Ayurveda verdeutlicht,
ebenso wie die Wirkung auf den menschlichen Organismus. Grundlagen für das
Verständnis dieser Anschauungen ist die Lehre von den drei Doshas Vata, Pitta
und Kapha, die ihrerseits aus den fünf großen Elementen bestehen. Die Dosha
bilden auch die Grundlage zur Erklärung von tageszeitlichen und anderen
Biorhythmen und erklären Wirkungen von Nahrung auf den Menschen. Im Ayurveda
werden die Nahrungsmittel nach den sechs Geschmacksrichtungen (Rasa) süß, sauer,
salzig, scharf, bitter und herb und ihren Qualitäten (Guna) eingeteilt.
Wirkungen der Nahrung auf die Verdauung (Vipaka) und auf den Organismus
insgesamt (Virya) werden ebenfalls berücksichtigt. Anhand von Nahrungsmitteln
und Gewürzen werden diese Anschauungen erläutert.
Ayurveda, wörtlich übersetzt etwa "Wissenschaft vom Leben", ist
wahrscheinlich das älteste Medizinsystem der Welt. Der Ayurveda beschäftigt sich
mit dem Menschen als Ganzes: "Körper, Geist und Selbst". Dies wird schon
deutlich an dem Sanskritbegriff Ayurveda, was übersetzt ja nicht etwa
"Heilkunde" heißt, sondern "Wissenschaft (veda) vom Leben (ayus)".
Oberstes Ziel des Ayurveda ist es, "die Gesundheit des Gesunden zu erhalten
und die Krankheit des kranken Menschen zu behandeln". Der Ayurveda ist ein
ganzheitliches System und beschäftigt sich auch mit den Einflüssen unserer Zeit,
die auf uns einwirken. Eine wesentliche Rolle spielt die richtige Ernährung in
Verbindung mit Bewegung und Anpassung an Tages- und Jahreszeiten. Darüber hinaus
gehört eine gesunde Lebensführung auch zum Ayurveda.
Wie schaffen wir es, mit der ayurvedischen Ernährung die Gesundheit zu
bewahren?
Indem die Lebensmittel verzehrt werden, die für jeden einzelnen
Organismus aufgrund der Einteilung der ayurvedischen Medizin gut sind.
Jedes Lebensmittel wird im Ayurveda nach Geschmack (Rasa) und Eigenschaften
(Guna) eingeteilt.
Die Grundlagen zum Verständnis des Ayurveda sind die drei Dosha, die alle
körperlich-geistigen Vorgänge steuern. Die drei Doshas heißen VATA, PITTA und
KAPHA. Sie befinden sich in einem individuell definierten Gleichgewicht und sind
voneinander abhängig. Besteht ein Ungleichgewicht, ist meisten das Dosha Vata
dafür zumindest mitverantwortlich.
Die fünf Elemente "Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde" als wissenschaftliche
Grundlage der ayurvedischen Therapie in dieser Ausgabe manifestieren sich im
Organismus auch als Dosha (Vata, Pitta, Kapha). Sie stehen nicht nur für das
materielle, sondern auch für die Wirkung auf die Gesamtheit. Ihre
Zusammensetzung von der kompakten Festigkeit (Erde) bis zur völlig beweglichen
Feinstofflichkeit (Raum/Äther, Luft) verleiht jedem einzelnen Menschen seinen
individuellen Charakter mit seinen Schwächen und Stärken. Die Dosha setzen sich
aus den fünf Elementen zusammen: VATA besteht aus Luft und Äther, PITTA enthält
das Feuerelement und KAPHA setzt sich aus Wasser und Erde zusammen. Im Ayurveda
gilt das Gleichgewicht der drei Dosha als wesentliche Voraussetzung für die
Gesundheit. Bewegen sich die Doshas aus ihrem individuell definierten
Gleichgewicht heraus, treten Störungen auf und langfristig manifeste
Erkrankungen.
Ernährung gemäß Konstitution
Von Geburt an haben die Menschen ihre feste Konstitution (Prakrti), das
heißt, die drei Doshas sind typgerecht angelegt. Durch die Ermittlung der
Prakrti (Konstitution) weiß man z.B., welche Art von Nahrungsmitteln bevorzugt
werden sollten und welche Art von körperlicher Tätigkeit für den einzelnen
zweckmäßig ist.
Dabei sollen Eigenschaften bevorzugt werden, die denjenigen entgegengesetzt
sind, die das vorherrschende Dosha charakterisieren. Charakteristische
Eigenschaften von Vata, Pitta und Kapha:
VATA: trocken, leicht, fein, kalt, beweglich, rauh, durchdringend,
Klarheit und Kreativität
PITTA: ölig, heiß, scharf, flüssig, fein,
leicht, Intellekt und Emotionalität
KAPHA: ölig, kalt, schleimig,
trüb, süß, grob, unbeweglich, Zusammenhalt und Stabilität der Struktur des
Körpers
Der Vata-Typ hat eine rauhe, trockene Haut, innerliche Unruhe und friert
leicht. Er liebt die Wärme und tendiert zu warmen und flüssig/feuchten Speisen.
Die zu bevorzugende Geschmacksrichtung sollte süß, sauer und salzig sein.
Blähende Speisen wie Kohl, Bohnen, gereifter Käses sollten gemieden werden, am
Abend wären eine leichte Gemüsesuppe, etwas Getreide (Dinkel) und nährende
Nahrungsmittel wie GHEE (geklärte Butter, s.u.), Butter, Sahne, heiße Milch mit
Gewürzen zu bevorzugen - sie wirken wärmend. Die Gewürze Ingwer, Kurkuma
(Gelbwurz), Zimt und Kreuzkümmel sind geeignet, Vata zu reduzieren,
Gemüserohkost und Salate sollten am Abend gemieden werden, sie würden nicht mehr
verdaut werden und anfangen zu gären. Die meisten Europäer haben aufgrund ihrer
Lebensweise ein Vata-Ungleichgewicht.
Die Pitta-Menschen besitzen das Element Feuer und sollten es nicht noch
erhöhen, indem sie Nahrungsmittel mit den Geschmacksrichtungen scharf, sauer und
salzig verzehren. Zur Mittagszeit ist das Pitta am stärksten, wird aber
ebenfalls erhöht durch Alkohol, Sauna, Ärger/Zorn, starke Hitze, wie z.B. durch
Aufenthalt in der prallen Sonne und erhitzende Nahrungsmittel wie Nüsse,
gebratene und frittierte Speisen und durch die wärmenden Gewürze, z.B.
Kreuzkümmel, Koriander, Kurkuma, Fenchel. Die Pitta-Typen sollten reichlich
rohes Obst verzehren, Salate, generell kühlende Speisen (z.B. Basmatireis) und
Gewürze wie z.B. Dill, Petersilie, Pfefferminze, Zitronenmelisse. Die zu
bevorzugende Geschmacksrichtungen sind süß, bitter und herb.
Die Kapha-Menschen sollten die Geschmacksrichtungen bitter, herb und scharf
bevorzugen. Eine leichte Kost, frische Obst- und Gemüsesäfte, Gemüserohkost und
gedünstetes Gemüse sind zu empfehlen. Zu meiden sind eher die schwerverdaulichen
Gemüse wie Pilze, Zwiebeln und Lauch. Nährende Nahrungsmittel wie z.B. warme
Milch verstärken noch die Kapha-Dominanz (süß, schwer) und führen im Übermaß zu
vermehrter Schleimbildung. Der Kapha-Typ neigt stark zu Erkältungen mit
Sekretbildung und zur Gewichtszunahme. Bei übermäßiger Schleimbildung,
Erkältungen und Kapha-Störung empfiehlt man eine Mischung aus getrocknetem
Ingwer, langem und schwarzem Pfeffer, die man mit einem Esslöffel Honig
einnimmt. Anschließend ein Glas warmes Wasser trinken, das den Abfluss des
Schleimes fördert.
Die Ernährung erhält alle Lebewesen am Leben. Sie nährt den Verstand, gibt
uns geistige Klarheit und Körperkraft. Im Ayurveda werden Nahrung und
Heilpflanzen in die fünf Elemente (Erde, Feuer, Wasser, Luft, Äther), die sechs
Geschmacksrichtungen (süß, sauer, salzig, scharf, bitter, zusammenziehend) und
die zwanzig Qualitäten (schwer, sanft, kalt ölig, zart, grobflüssig, weich,
fest, fein, klar und ihre Gegensätze) eingeteilt.
|
Geschmacksrichtung |
Elemente |
Eigenschaften |
Auswirkung auf Doshas |
|
süß (madhura) |
Erde + Wasser |
feucht, klar, schwer |
? Kapha |
|
sauer (amla) |
Erde + Feuer |
feucht, heiß, leicht |
? Pitta |
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salzig (lavana) |
Feuer + Wasser |
feucht, heiß, schwer |
? Vata |
|
scharf (katu) |
Feuer + Luft |
trocken, heiß, leicht |
? Kapha |
|
bitter (tikta) |
Luft + Äther |
trocken, kalt, leicht |
? Vata |
|
zusammenziehend (kasaya) |
Luft + Erde |
trocken, kalt, schwer |
? Vata |
Die Geschmacksrichtungen und ihre Eigenschaften
Ganz wesentlich im Ayurveda sind natürlich auch die Gewürze mit ihren
besonderen Eigenschaften. Diese kann man anhand der sechs Geschmacksrichtungen
süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend sehr schön erläutern. Zu
den Grundgewürzen im Ayurveda zählen der Kreuzkümmel, Senfsaat, Kurkuma und
Teufelsdreck (Asafötida). Wichtig zu nennen sind aber auch der frische Ingwer
mit seinen hervorragenden Eigenschaften, Kardamon, Koriander und der
Bockshornkleesamen.
Der Ayurveda rechnet zur süßen Geschmacksrichtung alle energiespendenden
Nahrungsmittel. Dazu zählen die Kohlehydrate wie Getreide, Nudeln, Reis,
Kartoffeln, Obst, Ghee, Fette aus Ölsaaten und Nüssen, Süßholz und das Protein
aus den Milchprodukten sowie Hülsenfrüchten (DaL). Die Hülsenfrüchte, z.B.
Mungdal, Toor-Dal, Kichererbsen und Mungbohnen sind große Eiweißlieferanten im
Ayurveda. Mungdal sind geschälte Linsen und wirken beruhigend. Man gibt sie auch
während der Pancakarma-Kur (ayurvedische Reinigungs- und Regenerationskur).
Die Nahrungsmittel der süßen Geschmacksrichtung wirken stärkend,
nährend, stabilisierend und beruhigend auf den Körper. Zudem gibt uns der süße
Geschmack das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Ein Übermaß an Genuss der
energiespendenden Nahrungsmittel verlangsamt den Stoffwechsel und die Verdauung,
führt zur Verschlackung des Körpers (Ama-Bildung) und wirkt kühlend auf den
Körper. Die Geschmacksrichtung süß enthält das Erde- und Wasserelement und
erhöht Kapha.
Der saure Geschmack ist in der Eigenschaft heiß, leicht und feucht. Er
verstärkt das Feuerelement (Pitta), baut den Körper auf und gibt ihm Stärke.
Saure Speisen sind appetitanregend, befeuchten und verdauen, deshalb ist diese
Geschmacksrichtung gut bei Vata-Typen. Sauer macht lustig, denn sauer erzeugt
Heiterkeit durch das Feuerelement, was die Erzeugung von Hitze zur Folge hat. Zu
den sauren Nahrungsmitteln zählen die Zitrusfrüchte, Beeren, Hagebutten und
fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Pickles, Kefir und Joghurt. Während
der Pancakarma-Kur werden keine sauren Produkte gegeben.
Die salzige Geschmacksrichtung wirkt stimulierend auf das Feuerelement
(Pitta). Es ist verdauungsfördernd, unterstützt den Appetit und wirkt
entgiftend. Die Eigenschaften des salzigen Geschmacks sind feucht, heiß und
schwer und wirken Vata (kalt und trocken) entgegen. Der Ayurveda empfiehlt
Steinsalz. Das Steinsalz enthält viele Mineralien und wird bei
schwerverdaulichen Speisen - Dal, Kohl - bevorzugt genommen, da es Blähungen
entgegenwirkt. In der Eigenschaft ist Steinsalz heiß und kräftig, aber kühlender
als Meersalz.
Die scharfe Geschmacksrichtung ist in der Eigenschaft heiß, leicht und
trocken. Das Gegenteil ist süß mit den Eigenschaften feucht, kalt und schwer.
Das heißt, die beiden Geschmacksrichtungen scharf und süß sind exakte
Gegensätze, wie "Feuer und Wasser"! Die Eigenschaften der scharfen
Geschmacksrichtung regen besonders das Verdauungsfeuer und vor allem die
Produktion der Verdauungssäfte an. Scharf mildert den Schleim (Kapha) und
unterstützt die Entgiftungsarbeit im Körper und dessen Entschlackung. Gewürze
mit der Geschmacksrichtung scharf sind: Zwiebel, Knoblauch, Chili, Ingwer,
langer Pfeffer (Piper longum), schwarzer Pfeffer, Asafötida (Teufelsdreck),
Pfefferminzblätter und Nelke. Ingwer wirkt wärmend und beugt der
Ansammlung von Ama (Schlackenstoffe) vor. Frischer Ingwer an Speisen macht sie
bekömmlicher, regt die Verdauung an und wirkt darmreinigend
(entzündungshemmend). Als vorbereitende Maßnahme und begleitend auf die
Pancakarma-Kur (Purvakarma) empfiehlt man Ingwerwasser, um Schlackenstoffe zu
lösen.
ASAFÖTIDA (Teufelsdreck) ist ein aromatisches Harz aus der
Ferula-Asafötida-Wurzel. Es ist das beste Heilmittel bei starken Blähungen und
löst Krämpfe im Verdauungstrakt. Gut bei Vata-Ungleichgewicht. Langer Pfeffer
und schwarzer Pfeffer wirken anregend, Hitze provozierend und verringern Vata
und Kapha. Bei Obstipation hat sich bewährt, morgens nüchtern ein Glas warmes
Wasser mit je einer Messerspitze Asafötida, Steinsalz und schwarzem Pfeffer zu
trinken.
Die bittere Geschmacksrichtung ist in der Eigenschaft trocken und
leicht, wieder das Gegenteil zu nass und schwer, d.h. zur süßen
Geschmacksrichtung. Daraus kann man schließen, dass die bittere Nahrung den
süßen Geschmack neutralisiert und eindämmt. Sie ist verdauungsfördernd, bringt
den Stoffwechsel in Schwung und unterstützt den Fettabbau. Patienten mit der
Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus und einer Kapha-Störung wird empfohlen,
nach dem Essen einige Bockshornkleesamen zu kauen. Bockshornkleesamen sind in
der Eigenschaft bitter und süß, gut geeignet für Suppen und Keimlinge. Die
frischen Bockshornkleeblätter (Methi) verwendet man für Gemüse und getrocknet
als Tee. Außerdem zählen zu den bitteren Gewürzen der Koriandersamen und Kurkuma
(Gelbwurz). Der Koriandersamen wirkt anregend und verdauungsfördernd. Die
frischen Korianderblätter dagegen sind in der Eigenschaft süß und kalt. Als
größte aromatische Heil- und Gewürzpflanze wird in Indien die Gelbwurz (Kurkuma)
angesehen. Kurkuma ist bitter, ein wenig scharf und wirkt erhitzend. Es wirkt
desinfizierend (bei Schnittwunden), blutreinigend, verdauungsfördernd und hilft
bei Hautproblemen. Bittere Gemüsesorten sind u.a. Artischocke, Chiccoreé, die
Brunnenkresse, der Endiviensalat und die Löwenzahnblätter.
Als letzte Geschmacksrichtung haben wir den zusammenziehenden
(astringierenden, herben) Geschmack. Er wirkt leicht aufbauend und beruhigend,
reduziert Feuer und Wasser, d.h., er reduziert Pitta. Astringierend bedeutet das
Zusammenziehen des Gewebes, es trocknet das Gewebe aus und verstärkt somit das
Luftelement Vata. Zusammenziehende Nahrungsmittel sind z.B.: Buchweizen,
Maismehl, Amaranth, Hibiskus, Brennnessel, Rhabarber, Johanniskraut, Quitte,
Schlehe, Himbeerblätter, Salbei und Honig. Aus Himbeerblättern kann man z.B.
einen Tee herstellen.
Zwei Nahrungsmittel, die die Eigenschaften süß und zusammenziehend besitzen,
sind Honig und Süßholz. Süßholz wirkt allgemein belebend, Honig erzeugt Hitze im
Körper und ist gut bei Vata-Störungen und von daher auch trotz der Eigenschaft
"süß" gut für Kapha-Störungen. Jedes Lebensmittel enthält also mindestens eine
Geschmacksrichtung, die meisten sogar zwei.
Tageszeiten und deren Einfluss auf die Bioenergien
Das 1. Drittel des Tages, der Morgen, ist die Kapha-Zeit. Je nach
Dosha-Konstitution sollte das Frühstück ausfallen. Der Kapha-Typ sollte am
Morgen nicht mehr als einen frisch gepressten Saft trinken und am späten
Vormittag die erste Mahlzeit einnehmen. Der Vata – und Pitta-Typ könnte ein
ausgiebiges Frühstück zu sich nehmen.
Mittags ist die Pitta-Zeit, das heißt, das Verdauungsfeuer ist am stärksten.
In der Mittagsmahlzeit sollten alle sechs Geschmacksrichtungen vorkommen. Die
süße Geschmacksrichtung sollte am Anfang stehen, denn dadurch wird der
Speichelfluss angeregt und „der Magen wird geöffnet“. Der
zusammenziehende/astringierende Geschmack „schließt den Magen“, so dass die
Ausschüttung der Verdauungssäfte eingestellt wird. Am Abend, im dritten Drittel
des Tages ist die Vata-Zeit, deshalb reicht man eine leichte Gemüsesuppe, etwas
gedünstetes Gemüse und ein wenig Mehlgebackenes (Chapati). Dieses ist leicht
verdaulich, führt nicht zu Gärungsprozessen und belastet somit nicht den
Organismus.
Aber nicht nur der Geschmack (Rasa) und die Eigenschaften (guna) sind
ausschlaggebend bei Nahrungsmitteln und Heilpflanzen für die Ernährung, sondern
auch das Stoffwechselprodukt, d.h. der „Geschmack nach der Verdauung“ (Vipaka)
und die Wirkung auf den Körper (Virya). Sie sind wichtig für die Ernährung in
Kliniken, damit man Dosha-Ungleichgewichte wieder ins Lot bringt und man sich
selber, sowie der Körper selbst, rundherum wohlfühlt.
Vipaka ist das Endprodukt, das nach der Verdauung eines Nahrungsmittels
entsteht. Es gibt nur drei Vipaka: süß, sauer und scharf. Dieser Geschmack kann
nicht unmittelbar wahrgenommen werden, denn er beschreibt, wie das
Nahrungsmittel im „Inneren“ (Gewebe und Organe) des Körpers wirkt. Eine
allgemeine Regel lautet: Wenn ein Nahrungsmittel im Geschmack süß und salzig
ist, ist es meist auch im Vipaka süß und Kapha-vermehrend. Ist ein
Nahrungsmittel im Geschmack scharf, bitter und zusammenziehend ist es auch im
Vipaka scharf und Vata-vermehrend. Der Geschmack sauer ist auch im Vipaka sauer.
Es gibt aber viele Ausnahmen.
Weiterhin ist die Wirkung auf den Körper (Virya) für die Auswahl eines
Nahrungsmittels sehr bedeutsam. Denn es macht einen Unterschied, ob das
Nahrungsmittel kühlend oder erhitzend wirkt oder ob es leicht oder schwer nach
der Verdauung ist. Bei Fenchelsamen handelt es sich um ein solches
Nahrungsmittel. Es wirkt besänftigend und beruhigend auf den Darm. Im Geschmack
(Rasa) ist er süß, scharf und bitter, in der Eigenschaft (Guna) leicht und ölig.
Der Fenchel wirkt durch seine Virya kühlend auf den Organismus und ist im Vipaka
(Geschmack nach der Verdauung) süß. Die Fenchelsamen reduzieren die Vata- und
Pitta-Ungleichgewichte.
Spezielle Wirkungen eines Nahrungsmittels werden auch als Prabhava
bezeichnet, man beschreibt damit Wirkungen, die nach der vorstehenden Systematik
nicht erklären lassen. Ein Beispiel ist frischer Ingwer, der im Geschmack
scharf/bitter und im Vipaka süß ist.
Nahrung bringt uns die Energie und Ghee schenkt uns Lebenskraft!
Herstellung des Ghee:
1 kg ungesalzene Sauerrahmbutter ca. 1 Stunde lang köcheln lassen. Durch
ein Leinentuch gießen und kühl, dunkel und trocken lagern. Das fertige Ghee hat
eine goldgelbe Farbe.
Die Grundnahrungsmittel im Ayurveda sind vor allem GHEE (geklärte Butter)
Basmatireis, Getreide – vorzugsweise Dinkel, naturbelassene Milch und
Milchprodukte, jahreszeitlich abgestimmtes Obst und Gemüse aus kontrolliert
biologischem Anbau und als Süßungsmittel Honig oder Rohrzucker (Ursüße,
Jaggery). Das wichtigste Nahrungsmittel im Ayurveda ist das GHEE. Ghee, geklärte
Butter dringt tief ins Gewebe ein, schenkt dem Körper Vertrauen und stärkt die
Potenz. Außerdem stärkt es den Gewebestoffwechsel und die Abwehrkräfte. Das Ghee
macht die Speisen bekömmlicher, intensiviert ihren Geschmack und bewahrt beim
Dünsten die Vitamine der Nahrungsmittel. Beim Ghee gibt es große
Qualitätsunterschiede. Diese sind einmal abhängig von der Qualität der Butter,
dann von der „Herstellung“ und natürlich von der Lagerung. Je älter das Ghee
ist, umso besser ist die Heilwirkung.
Zwei weitere Grundnahrungsmittel im Ayurveda sind der Basmatireis (Duftreis)
und das Getreide. Der Basmatireis wird im Ayurveda bevorzugt mittags gegeben,
denn Reis wirkt kühlend, Getreide wärmend auf den Organismus. Mittags ist
Pitta-Zeit, d.h. das Feuer ist am stärksten und der Reis wirkt kühlend auf das
Pitta. Am Abend gibt man Getreide, da es wärmend wirkt. Aus klinischer Erfahrung
arbeitet man vorzugsweise mit Dinkel, da es besser verträglich ist als Weizen.
Zum Abendessen bekommt man eine leichte, warme Suppe, leichtes Gemüse und ein
aus Dinkelmehl hergestelltes Chapati (Fladenbrot).
Im Ayurveda wird die Ernährung an die Dosha-Konstitution angepasst, das
heißt, dass die Nahrungsmittel, die etwa den Pitta-Typen empfohlen werden, zum
Beispiel nicht für denjenigen mit Vata-dominierter Konstitution geeignet sind.
Die Dosha-Konstitution wird gleich zu Beginn einer ayurvedischen Untersuchung
ermittelt, dementsprechend werden diätetische Empfehlungen für Gesunde und
Kranke dann individuell zusammengestellt.
LITERATUR
CHARAKASAMHITA BY AGNIVESA, Revised by CHARAKA and DRIDHABALA with the
Ayurveda-Dipikà Commentary of Chakrapànidatta, edited by Vaidya Jàdavji Trikamji
Achàrya. 3rd edition, (Nirnaya Sagar Press) Bombay 1941
Ranade, S. Ayurveda-Wesen und Methodik, Heidelberg 1994
Zoller, A. / Nordwig, H. Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin, Heidelberg
1997