Dr. Schmiedel:
Mit einem AYURVEDA-Heilverfahren können die entscheidenden
Faktoren des Metabolischen Syndroms günstig beeinflusst werden. Wir
können bereits sehr gute Heilerfolge bei der Verbesserung des
Krankheitsbildes durch die Anwendung der AYURVEDA-Medizin
beobachten.
Übergewicht
Ein AYURVEDA-Heilverfahren kann zu einem tiefgreifenden
Einschnitt in das gesamte Stoffwechselgeschehen führen. Die
durchschnittliche Gewichtsabnahmen betragen dabei 2-5 kg. Diese
Reduktion kann innerhalb weniger Tage meist bei subjektivem
Wohlbefinden und Abwesenheit von Hunger erzielt werden. Der von
vielen Patienten wahrgenommene Ayurveda-Kochkurs vermittelt die
notwendigen praktischen Fähigkeiten, um die theoretisch gewonnenen
Einsichten auch im Alltag umsetzen zu können.
Diabetes mellitus
Die bei einem Panchakarma-Heilverfahren kurzfristig erzielbare
Gewichtsreduktion kann bereits zu einer Abnahme der
Insulinresistenz führen. Wir haben beobachtet, dass bestimmte
ayurvedische Pflanzenheilmittel die Blutzuckereinstellung weiter
verbessern können. Insulin und/oder die Bauchspeicheldrüse
stimulierende Antidiabetika können so stufenweise
ausgeglichen werden. Wir haben beobachtet, dass es den Diabetiker
gelingen kann, dem Teufelskreis „Übergewicht“ – Insulinresistenz –
Medikamente – Hunger – Übergewicht“ zu entrinnen.
Hypertonie
Neben der Gewichtsreduktion sind es insbesondere die vegetativ
ausgleichenden Massagen und Entspannungstechniken (Yoga), die ein
gestörtes vegetatives Nervensystem zur Norm bringen können.
Blutdruckmedikamente können oft abgesetzt bzw. reduziert werden. In
Einzelfällen konnten wir sogar eine Rückbildung einer
Linksherzhypertrophy nach wenigen Wochen ayurvedischer Anwendungen
beobachten.
Fettstoffwechselstörungen
Trotz Trinkens von Ghee (ein aus Butter gewonnenen
Triglyceridgemisch) beobachten wir in der Regel eine
Cholesterinsenkung. Die langfristig empfohlene ayurvedische Kost
ist arm an tierischen Fetten und reich an Ballaststoffen. Diese
Kost und die vegetativ ausgleichenden Anwendungen lassen eine
weitere Lipidsenkung erwarten.
Resumèe
In vielen Fällen kann AYURVEDA die entscheidenden Faktoren des
Metabolischen Syndroms günstig beeinflussen. Neben dem Erfolg bei
den „harten Laborparametern“ scheint uns aber der tiefgreifende
Bewusstseinswandel beim Betroffenen bedeutsam zu sein. Beim
übergewichtigen, nicht selten genusssüchtigen und emotional
verarmten Menschen, kann eine Änderung seines Stoffwechsels und
seiner Einstellung angestrebt werden. Er bekommt, was er braucht
–sowohl in Form von Nährstoffen als auch in Form von körperlicher
und emotionaler Zuwendung. Die einzelnen Komponenten des
Metabolischen Syndroms werden nicht nur symptomatisch, sondern
kausal angegangen. Es ist daher in der Langzeittherapie mit
weiteren Verbesserungen zu rechnen. Wir beobachten auch sehr gute
Heilerfolge. Es ist erstaunlich, welche Erfolge oftmals gerade
auch beim Metabolischen Syndrom und den vorstehend beschriebenen
Krankheitsbildern durch AYURVEDA erreicht werden können.
Fallbeispiel: Metabolisches Syndrom und
AYURVEDA
56-jähriger männlicher Patient
Diagnosen:
-
Metabolisches Syndrom mit Diabetes mellitus II b (NIDDM),
Hyperlipoproteinämie und Adipositas
-
Psorias
Vorgeschichte:
Seit etwa 5 Jahren leidet der Patient an Diabetes mellitus und
wird mit einem Sulfonhylharnstoff per os behandelt (4 mg
Glisoxepid/Tag). Bei schlechter Compliance kommt es immer wieder zu
Stoffwechselentgleisungen. Etwa 14 Tage vor Beginn des stationären
Aufenthaltes stellt der Hausarzt die Diagnose „Praecoma diabeticum“
bei Blutglucosewerten von 449 mg/dl. Drei Wochen vor Aufnahme sind
plötzlich umschriebene psoriatische Herde an der Streckseite beider
Ellenbogen aufgetreten. Der Patient ist Bauunternehmer, der über
viele Lebensjahre ein Unternehmen aufgebaut hat. Jeder Therapie,
die in seine Lebensgewohnheiten eingegriffen hätte, hat er sich
bisher entzogen. Bei starker Verschlechterung des
Allgemeinzustandes (Müdigkeit, Seh- und Sprechstörungen u. ä.)
begibt er sich jeweils nur kurz in ärztliche Behandlung um wieder
zu „funktionieren“.
Der Patient wird vom Hausarzt eingewiesen mit dem Ziel einer
„Stoffwechselregulierung“. Bei Aufnahme klagt der Patient über
allgemeine Schwäche, Polydipsie und Polyurie. In verschiedenen
Körperbereichen treten Muskelkrämpfe auf und „die ganze Haut
juckt“. BMI 34,7 kg/m² (113,9 kg bei 181 cm). Bei der körperlichen
Untersuchung fallen unter anderem eine Hepatomegalie, Blutdruck von
180/100 mmHg sowie Knöchelödeme beidseits auf. An den Streckseiten
beider Ellenbogen sind runde psoriatische Herde (etwa 5 cm im
Durchmesser) zu sehen.
Therapie:
Aus ayurvedischer Sicht hat der Patient eine
Pitta-Kapha-Konstitution (Prakrti) mit Kapha-Aggravation.
Auf der Grundlage des Panchakarma-Konzepts wird ein kurzzeitiges
(14 Tage) Therapieverfahren durchgeführt, das im einzelnen folgende
Elemente enthält:
I. „Mobilisierende
Maßnahmen“ (Pùrvakarma):
Snehana („Therapie mit Ölen und Fetten“), dieses hat zwei
Aspekte:
A. Àbhyantara Snehana (Innerliches Fetten“) hierzu gehört
das Snehapána, das ist die Einnahme eines speziell aufbereiteten
Butterfetts.
B. Bàhya Snehana: Spezifische äußerliche Anwendungen mit Ölen
und Fetten. Öle und Fette werden dabei speziell auf den einzelnen
Patienten abgestimmt. Ebenso Art, Dauer und Intensität der
Anwendung.
Svedana („Schwitztherapie“): Dies umfasst spezielle
Wärmeanwendungen.
II. „Hauptmaßnahmen“ (Pradhànakarma):
Vamana, emetisches Ausleitungstherapie
Virecana, Abführtherapie.
Bastikarma, speziell zusammengestellte Enemata zur
Therapie über die Darmschleimhaut.
Grundlage des ayurvedischen Vorgehens ist größtmögliche
Berücksichtigung der Individualität. So werden die Öle und fette
für innerliche und äußerliche Therapie speziell auf den einzelnen
Patienten abgestimmt. Ebenso Art, Dauer und Intensität der Fett-
und Schwitzbehandlung.
Um einen besseren Eindruck vom therapeutischen Vorgehen zu geben,
seien hier noch einmal die verschiedenen Therapien in ihrer
zeitlichen Abfolge aufgeführt:
Tag 1:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)
Tag 2- 4:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche
Fettbehandlung)
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)
Svedana (Schwitzen)
Tag 5:
Vamana (Erbrechen)
Tag 6-7:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Tag 8:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)
Svedana (Schwitzen)
Tag 9:
Virecana, Abführtherapie
Tag 10:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)
Svedana (Schwitzen)
Tag 11-14:
Bastikarma, speziell zusammengestellte
Enemata
Über den ganzen Zeitraum wurde die Kost speziell nach ayurvedischen
Gesichtspunkten zusammengestellt. Zur Nahrungsergänzung,
insbesondere zur besseren Beherrschung des Diabetes mellitus,
wurden Bockshornkleesamen verabreicht.
Verlauf und Ergebnisse:
Bereits am vierten Tag
bessert sich der Allgemeinzustand des Patienten deutlich. Aus
seiner subjektiven Sicht berichtet er, Müdigkeit und Schlappheit
verloren zu haben. Er habe „seine alte Kraft wiedergefunden“. Das
allgemeine Hautjucken nahm zu –aus ayurvedischer Sicht Kennzeichen
einer Mobilisierung von Stoffwechselschlacken. Der Patient lässt
seine Frau am ayurvedischen Kochkurs für Patienten
teilnehmen.
Die Kapha-Aggravation, die nach ayurvedischer Vorstellung die
vorliegende Stoffwechselstörung erklärt, wurde durch eine intensive
kurzzeitige Therapie behandelt. Es fällt auf, dass sich die
Triglyceride im Serum erhöht haben, dies ist wohl bedingt durch den
erhöhten Abbau körpereigener Depotfette während des
Ayurveda-Heilverfahrens und stellt einen vorübergehenden Zustand
dar. Während des stationären Aufenthaltes reduzierte der Patient
sein Körpergewicht um 4 kg. Diese Gewichtsabnahme erfolgte bei
vollständigem Wohlbefinden und ohne dass der Patient ein
verstärktes Hungergefühl gehabt hätte. Diese Faktoren erhöhen die
Bereitschaft, auch zuhause eine entsprechende Lebensführung
fortzusetzen. Neben der deutlichen Besserung des Krankheitsbildes
in nur 14 Tagen, sehen wir den Erfolgen für den Patienten auch
darin, dass die erlernte Diätetik auch langfristig umsetzbar ist.
Auf diesem Wege kommt es zu einer dauerhaften Linderung.
Ananda S. Chopra