Ayurveda-klinik Kassel Bad Wilhelmshöhe | Klinik für Tinnitus - Ayurveda Klinik für Ganzheitliche Rehabilitation
Druckversion vom 24.11.2009
URL: http://www.ayurveda-klinik.de/Darmerkrankungen.html
Der Darm ist das Organ des Körpers, welches für die Aufnahme unserer Energie und sämtlicher Nährstoffe zuständig ist. Der Darm ist von entscheidender Bedeutung für unsere Immunabwehr. Die Mehrzahl aller Abwehzellen ist darmassoziiert. Während wir über unsere Haut nur mit ca. 2 qm Oberfläche Kontakt mit unserer Umwelt aufnehmen, sind dies beim Darm mehrere hundert Quadratmeter. Der Darm ist also die größte Kontaktfläche zwischen uns und unserer Umwelt, er ist also das Bindeglied zwischen Innen und Außen, Selbst und Fremd, Abwehr und Toleranz.
Bei entzündlichen Darmerkrankungen ist das subtile Gleichgewicht zwischen Abwehr und Toleranz gestört. Die Abwehrleistung des menschlichen Organismus ist dabei soweit gesteigert, dass die eigenen Darmschleimhautzellen geschädigt werden. Während schulmedizinische Methoden sich darauf beschränken, die Abwehr zu unterdrücken (z B. mit Kortison) oder den Ort des pathologischen Geschehens einfach herausschneiden (z. B. Teilresektion), versuchen naturheilkundliche Verfahren das gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen. Hierzu können beispielsweise Ernährung und Mikrobiologische Therapie, aber auch psychotherapeutische Verfahren einen großen Beitrag leisten.
Einen konstitutionell ausgerichteten Ansatz verfolgt der
AYURVEDA: In der folgenden Kasuistik wird anschaulich dargestellt,
wie mit innerlichen und äußerlichen fetten ein Ausgleich der
„fehlgeleiteten Energien“ geschaffen wird, der schon nach wenigen
Tagen zu einer subjektiv spürbaren Verbesserung der Symptomatik
führt.
Dr. Volker Schmiedel
Fallbeispiel: Darmerkrankung und AYURVEDA
46-jährige Patientin
Diagnosen:
- Morbus Crohn (Erstdiagnose 1969) jetzt: Dauerschmerz im rechten Unterbauch bei Stenosierung im Anastomosenbereich
- Thyreoideateilresektion (Rechter Lappen) 1984
- HWS-/LWS-Syndrom
Vorgeschichte:
Seit 28 Jahren ist ein Morbus Crohn
bei der Patientin diagnostiziert. Bis vor etwa 16 Jahren kam es
schubweise (ein- bis zweimal jährlich, vorwiegend im
Winterhalbjahr) zu akuten Exazerbationen der Entzündung. In dieser
Zeit auch rezidivierend auftretende Analfisteln. Vor 16 Jahren
wurde die erste Darmrektion durchgeführt; danach wurde – bis vor
vier Jahren – insgesamt viermal nachreseziert (wegen Adhäsionen,
Briden etc.) Die Patientin hat eine Unverträglichkeit auf
Salicylate entwickelt, und auch andere Medikamente zur Behandlung
des Morbus Crohn werden nicht vertragen, so dass sie in den sechs
Monaten vor stationärer Aufnahme keine entsprechende Medikation
einnimmt. Die Medikation bei Aufnahme besteht in peroraler Einnahme
von Thyroxin und einem Östrogen-Gestagen-Präparat.
Die Patientin kommt jetzt zur Aufnahme bei starkem Dauerschmerz im rechten Unterbauch, verursacht durch eine Stenosierung und Briden im Bereich der Anastomose. Des Weiteren besteht eine Lumbalgie und seit zwei Jahren eine Einschlafstörung. Stuhlfrequenz: sechsmal täglich dünnflüssiger Stuhl, kein Schleim- oder Blutabgang. Gegen Abend zunehmende Flatulenz.
Bei Aufnahme weist die Patientin abdominell reizlose Operationsnarben auf. Es besteht Ruhe- und Druckschmerz im rechten Unterbauch, kein Meteorismus.
Therapie und Verlauf:
Aus ayurvedischer Sicht hat die Patientin eine
Pitta-Vàta-Konstitution (Prakrti) mit Vàta-Aggravation. Die
Vàta-Aggravation äußert sich sowohl in abdominellen Schmerzen
(ayurvedisch: Sùla) als auch in Lumbalgie und Einschlafstörung. Auf
der Grundlage des Panchakarma-Konzepts wird ein kurzzeitiges
Heilverfahren eingeleitet mit dem Ziel einer spezifischen
Vàta-Beruhigung.
Das Therapieverfahren enthält im einzelnen folgende Elemente:
I. „Mobilisierende
Maßnahmen“ (Pùrvakarma):
Snehana („Therapie mit Ölen und Fetten“), dieses hat zwei
Aspekte:
Hierzu gehören äußerliche Anwendungen mit speziellen Ölen und
Fetten ebenso wie das Snehapána, das ist die Einnahme eines
speziell aufbereiteten Butterfetts.
Svedana („Schwitztherapie“): in diesem Falle handelte es
sich dabei um eine Dampfsauna mit spezifischen Kräutern.
II. „Hauptmaßnahmen“ (Pradhànakarma):
Anulomana, milde Abführtherapie
Zu diesen „Hauptmaßnahmen“ hinzu werden noch spezielle äußerliche
Anwendungen gegeben, in diesem Falle insbesondere Upanàhasveda
(spezielle Wärmebehandlung für den Bereich der Wirbelsäule) und
Udarabasti ( spezielle Auflage zur Beruhigung der abdominellen
Vàta-Störung).
Grundlage des ayurvedischen Vorgehens ist größtmögliche
Berücksichtigung der Individualität. So werden die Öle und Fette
für innerliche und äußerliche Therapie auf den einzelnen Patienten
abgestimmt. Der Therapieverlauf gestaltete sich
folgendermaßen:
Tag 1- 3:
Snehana: A. Snehapàna (Innerliche
Fettbehandlung)
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)
Tag 4- 5:
Bàhya Snehana (Äußerliche
Fettbehandlung)
Tag 6:
Virecana, Abführtherapie
Tag 7:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung),
speziell Udarabasti ( spezielle Auflage zur Beruhigung der
abdominellen Vàta-Störung)
Svedana (Schwitzen), speziell Upanàhasveda (spezielle
Rückenbehandlung)
Tag 8-9:
Udarabasti ( spezielle Auflage zur Beruhigung
der abdominellen Vàta-Störung)
Svedana (Schwitzen), speziell Upanàhasveda (spezielle
Rückenbehandlung)
Tag 10:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung),
speziell Udarabasti ( spezielle Auflage zur Beruhigung der
abdominellen Vàta-Störung)
Svedana (Schwitzen), speziell Upanàhasveda (spezielle
Rückenbehandlung)
Tag 11:
Udarabasti ( spezielle Auflage zur Beruhigung
der abdominellen Vàta-Störung)
Svedana (Schwitzen), speziell Upanàhasveda (spezielle
Rückenbehandlung)
Tag 12-14:
Udarabasti ( spezielle Auflage zur
Beruhigung der abdominellen Vàta-Störung)
Tag 15:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)
Tag 16:
-
Tag 17:
Bàhya Snehana (Äußerliche Fettbehandlung)
Über den ganzen Zeitraum ist die Kost speziell zusammengesetzt. Die
abdominelle Schmerzsymptomatik zeigt zunächst einen undullierenden
Verlauf, hat bei Ende des Therapieverlaufs jedoch deutlich
abgenommen, insbesondere besteht kein Dauerschmerz mehr. Die
Patientin selbst beschreibt, die „Narbenzüge seien weniger
schmerzhaft“. Die Frequenz des Stuhlgangs ist unverändert, in der
Konsistenz sei der Stuhl jedoch „fester“. Ab dem 6. Behandlungstag
(an diesem Tag wird das milde Abführen durchgeführt) besteht keine
Schlafstörung mehr. Die Lumbalgie lässt sich durch die
entsprechende Behandlung ebenfalls positiv beeinflussen. Aus
ayurvedischer Sicht hat eine Vàta-Beruhigung begonnen, die durch
entsprechende Diätetik auch in der Folge positive Auswirkungen
zeigen wird.
Ananda S. Chopra