„- das Grandioseste, das der Barock je gewagt hat – „ Georg Dehio
Werner
Wilhelm Wicker
Der mythisch-mystische Hintergrund vom Herkules ist im
allgemeinen wenig bekannt.
Erst die Auseinandersetzung mit der Geomantie und dessen, was hinter dem
Namen Herkules (griechisch Herakles) steht, hat dem Verfasser einen neuen
Einblick ermöglicht.
Der Erbauer des Herkules-Denkmales – Landgraf Karl soll – neben einem
italienischen Architekten, auch die Rosenkreuzer bei der Planung und dem Bau des
Herkules beratend mit hinzugezogen haben. Offensichtlich sind dadurch in
beachtlichem Maße geomantische und mythologische Aspekte mit eingeflossen.
Beeindruckend ist zunächst einmal die geomantische Konsequenz, mit der die
Kraftlinie vom Herkules ausgehend mittig durch das gesamte Oktogon, die
Kaskaden, die Wasseranlagen, das Schloss Wilhelmshöhe und die gesamte
Wilhelmshöher Allee bis in das Herz der Stadt Kassel verläuft. Welch kraftvollen
Gestaltungswillen, welche Gestaltungskraft und Konsequenz haben hier alle damals
an der Planung Beteiligten aufgebracht, um solch ein gigantisches Werk zu
vollbringen. Angefangen von den kühnen Gedanken bis hin zur materiellen
Vollendung.
Die mythisch-mystische Seite des Herkules ist nicht minder beeindruckend,
ganz im Gegenteil. Herkules der Jünger – der Mythos als triumphierender Sieger
über 12 Aufgaben – hat dadurch die ihm innewohnende Göttlichkeit erlangt. Er hat
dies erreicht, indem er sich durch die zwölf Zeichen des Zodiak
hindurchgearbeitet hat. Aber es ist wie immer im Leben. Selbst Herkules, der die
zwölf Aufgaben, die den zwölf Sternzeichen entsprechen, erfüllt und den damit
verbundenen Magnetismus und ihre irdischen Herausforderungen überwunden hat,
muss danach das selbe Rad wiederum durchlaufen. Er muss erneut beweisen, dass er
eine solch hohe Befreiung erreicht hat, dass ihm alle 12 irdischen Versuchungen
nichts mehr anhaben können. Dass er jeder Verlockung standhält – nicht etwa
indem er Neigungen unterdrückt – sondern indem er aus der erreichten inneren
Befreiung und den gesprengten Fesseln heraus völlig unbeeindruckt mit den
irdischen Versuchungen umgeht, ist das bezeichnende.
Nachstehend noch einmal die Schilderung der Beweggründe für seine 12
Aufgaben:
Herkules befragte das Orakel des Apollo und ihm wurde gesagt, er sei im
Einvernehmen mit dem Befehl des Jupiter, zwölf Jahre dem Willen des Eurepstheus
unterstellt und, nachdem er die berühmten zwölf Aufgaben erfüllt habe, werde er
den Göttern zugestellt.
So begann seine Laufbahn und unternahm unter der Führung seiner Seele die
zwölf Aufgaben, indem er jede, in den 12 Tierkreiszeichen enthaltene, erfüllte.
Der Name Herkules war ursprünglich Herakles, was „die Glorie der Hera“
bedeutete. Hera stellt die Psyche, die Seele dar. Sie verkörpert seinen Namen,
seine Missionen auf der physischen Ebene, seine ihm innenwohnende Göttlichkeit
zu offenbaren.
Vor diesem Hintergrund ist eine der prächtigsten Anlagen in ganz Europa
entstanden – „das Grandioseste, das der Barock je gewagt hat“.
Daneben kann die hinter dem Herkules stehende Urkraft ein Energiepotential
für uns darstellen, das für die archetypische Aufarbeitung in uns Bedeutung
haben kann.